Politik

Lebenslanges Lernen

Warum Auszeiten für die Weiterbildung wichtig sind

Lebenslanges Lernen ist schon seit vielen Jahren ein Zauberwort. Wer sich nicht regelmäßig fortbildet, so heißt es, wird abgehängt. Der aktuelle Weiterbildungsatlas der Bertelsmann Stiftung will dem Land und seinen Bürgern ebenfalls Beine machen: Im Schnitt besucht nur jeder achte Deutsche regelmäßig Fortbildungen – in manchen Regionen ist es nicht mal jeder Dreißigste.

Das ist wenig, aber es ist eben auch nur die halbe Wahrheit. Denn: Die Deutschen besuchen vielleicht nicht so oft Kurse wie ihre europäischen Nachbarn, doch sie bilden und entwickeln sich dennoch fort. Viele sogar ständig. Lebenslanges Lernen – das gilt für die Lehrerin, die sich in jedem Schuljahr auf neue Schüler einstellen muss. Das gilt auch für den Behördenmitarbeiter, der ständig neue Vorschriften umsetzen muss. Das gilt für jedes Software-Update und für jedes Team, das sich auf neue Kollegen, neue Kunden, neue Chefs einstellen muss. Das gilt selbst für den Kioskbesitzer, der seinen Laden dicht machen müsste, wenn er nicht lernwillig wäre, was Kundenwünsche, Öffnungszeiten oder die Angebotspalette angeht.

Die Zeiten, in denen man nach der Lehre über Jahrzehnte mit dem Erlernten weitermachen konnte, sind lange vorbei und betrafen auch früher nur eine Handvoll Berufe. Überall dort dagegen, wo das Wissen wächst, wo Moden und Methoden sich wandeln, überall da ist lebenslanges Lernen schon lange Alltag.

Also bitte, reicht das nicht? Müssen wir jetzt auch noch jedes Jahr einen Kurs buchen? Wir müssen nicht. Wir sollten es aber erwägen. Denn es gibt viele gute Gründe für Arbeitnehmer, das lebenslange Lernen nicht permanent als selbstverständliche Form der Selbstoptimierung zu betreiben, sondern in Behörden und Betrieben ein Signal zu setzen: Fortbildung braucht Raum, Zeit und Anerkennung. Arbeitgeber, die ihre Mitarbeiter dabei unterstützen, sich echte Auszeiten für die Weiterbildung zu nehmen, werden profitieren. Seite 5 Bericht