Berlin

„Eine Stimme der Moral verstummt“

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Weltweite Trauer um den Holocaust-Überlebenden und Nobelpreisträger Elie Wiesel

Berlin. Der Tod des Auschwitz-Überlebenden und Friedensnobelpreisträgers Elie Wiesel hat in Deutschland und der Welt große Betroffenheit ausgelöst. „Mit Elie Wiesel hat uns eine der markantesten Persönlichkeiten des letzten Jahrhunderts verlassen, eine Stimme der Moral und der Humanität ist verstummt“, erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin.

Er habe „uns Deutschen die Hand ausgestreckt, hat mit uns unermüdlich daran gearbeitet, eine bessere Welt zu ermöglichen.“ Wiesel sei „ein eindringlicher Mahner und ein großherziger Versöhner“, sagte Merkel: „Er war der festen Überzeugung, dass nur das Wachhalten der Erinnerung an die Grauen des Holocaust eine Wiederholung dieses dunkelsten Kapitels der Geschichte verhindern könne.“ US-Präsident Barack Obama würdigte Wiesel als „eine der großen moralischen Stimmen unserer Zeit“ und „Gewissen der Welt“. „Er war ein lebendes Denkmal.“

Wiesel starb am Sonnabend im Alter von 87 Jahren in den USA, wie die Morgenpost bereits berichtete. Der 1928 in Rumänien geborene Wiesel überlebte die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald. Seine Eltern und seine jüngste Schwester waren von den Nationalsozialisten getötet worden. Über Jahrzehnte hinweg hatte sich der in New York lebende Schriftsteller („Die Nacht“, „Jude heute“) für die Erinnerung an den Holocaust eingesetzt.

Bundespräsident Joachim Gauck würdigte Wiesel als wichtigen Zeitzeugen. „Wir haben einen großartigen Menschen und außerordentlichen Gelehrten und Schriftsteller verloren“, heißt es in einem Kondolenzschreiben Gaucks an die Ehefrau Marion Esther Wiesel. Mit eindringlichen und empathischen Worten habe es Wiesel verstanden, die Erinnerung an die dunkelsten Jahre der deutschen Geschichte wach zu halten und vor allem junge Menschen vor den Gefahren von Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit zu warnen.

Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses in New York, Ronald S. Lauder, würdigte Wiesel als Symbol der Hoffnung. Die jüdische Welt schulde ihm große Dankbarkeit. Die Holocaust-Gedenkstätte Jad Vashem in Jerusalem erklärte, der Tod Wiesels erinnere schmerzlich daran, „dass die Zahl der Holocaust-Überlebenden mit jedem Jahr weiter schrumpfe“. Der Zentralrat der Juden in Deutschland erklärte, Wiesel habe sich „nach dem Krieg für Versöhnung und die Einhaltung der Menschenrechte weltweit eingesetzt“.

( epd )

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