Kriegsverbrechen

Britische Polizei will Israels Ex-Ministerin Livni vernehmen

Empörung in Israel: Ex-Außenministerin Livni soll vor der britischen Polizei aussagen – zu möglichen Kriegsverbrechen im Gaza-Konflikt.

Die liberale Politikerin Tzipi Livni war von Januar 2006 bis März 2009 Außenministerin von Israel. Nun soll sie vor der britischen Polizei über mögliche Kriegsverbrechen der israelischen Armee im ersten Gaza-Krieg zwischen 2008 und 2009 aussagen.

Die liberale Politikerin Tzipi Livni war von Januar 2006 bis März 2009 Außenministerin von Israel. Nun soll sie vor der britischen Polizei über mögliche Kriegsverbrechen der israelischen Armee im ersten Gaza-Krieg zwischen 2008 und 2009 aussagen.

Foto: imago stock&people / imago/UPI Photo

Tel Aviv.  Die britische Polizei hat die ehemalige israelische Außenministerin Tzipi Livni zu einer Befragung über mögliche Kriegsverbrechen ihrer Regierung während des ersten Gazakrieges eingeladen. Das Außenministerium in Tel Aviv verurteilte die Anfrage am Sonntag scharf. „Von einem engen Verbündeten wie Großbritannien hätten wir ein anderes Verhalten erwartet“, hieß es. „Israel wird alles in seiner Macht tun, um sicherzustellen, dass seine Bürger nicht zum Gegenstand des zynischen, politischen Missbrauchs ansonsten legitimer rechtlicher Werkzeuge werden.“

Die 57-jährige Livni, derzeit Mitglied der Opposition, erhielt die Einladung zu dem „freiwilligen Interview“ zum Gazakrieg zwischen 2008 und 2009 vor ihrem Großbritannien-Besuch an diesem Wochenende. Nach einer Intervention des israelischen Außenministeriums wurde eine Zusammenkunft mit dem Nahost-Staatssekretär Tobias Ellwood protokollarisch in einen Staatsbesuch umgewandelt, um Livni diplomatische Immunität zu garantieren, wie israelische und britische Medien meldeten.

Der erste Gaza-Krieg wurde auch als „Operation Gegossenes Blei“ bekannt. Die Militäroperation Operation als Reaktion auf den jahrelangen Beschuss israelischer Städte mit Tausenden Raketen aus dem Gazastreifen lief vom 27. Dezember 2008 bis zum 18. Januar 2009, als Israel einen einseitigen Waffenstillstand erklärte. Israel gab die Zahl der getöteten Palästinenser mit 1166 an und sprach von 295 Zivilisten unter den Opfern, eine palästinensische Menschenrechtsorganisation spricht von 1417 Getöteten, davon 926 Zivilisten. Auch die Angaben darüber, wie viele der Opfer Kinder waren, gehen weit auseinander. (dpa)