Rettungsstellen

Warum die Notfallpraxen an Kliniken notwendig sind

Notfallpraxen an Krankenhäusern sollen zukünftig die Rettungsstellen entlasten. Ein guter Vorstoß, der aber nur ein Anfang sein kann.

Die Rettungsstellen der 30 Berliner Notfallkrankenhäuser sind chronisch überlastet. Vor allem abends und am Wochenende ist der Andrang groß, wer keine schwerwiegende Erkrankung oder Verletzung hat, muss Wartezeiten von mehreren Stunden in Kauf nehmen. Viele Patienten sind eigentlich kein Fall für die Notaufnahme, dennoch können die Kliniken niemanden abweisen, ohne ihn genau angeschaut zu haben.

In Berlin ist die Liebe zur Rettungsstelle besonders ausgeprägt, selbst zu Tageszeiten, an denen viele Arztpraxen geöffnet sind. Das liegt am dichten Versorgungsnetz – für viele Berliner ist der Weg zur nächsten Rettungsstelle kaum weiter als der zum nächsten Facharzt. Ein weiterer Grund ist die Internationalität der Stadt. Viele kennen aus ihrer Heimat den Emergency Room als erste Anlaufstelle bei Beschwerden.

Nun wird die erste Notfallpraxis an einem Berliner Krankenhaus eingerichtet. Dort soll jeweils ein niedergelassener Arzt am Wochenende bis in den Abend hinein Notfallpatienten ambulant versorgen und so die Rettungsstelle entlasten. Wieder einmal ist das Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) in Marzahn-Hellersdorf Vorreiter. Der Vorstoß ist gut, er dient der besseren Patientenversorgung. Er kann aber nur ein Anfang sein.

Die Kassenärztliche Vereinigung hat beschlossen, bis zu acht dieser Notfallpraxen zu schaffen und mit Medizinern zu bestücken. Diese Zahl sollte angesichts der Größe der wachsenden Stadt eher die Unter- als die Obergrenze sein. Dazu müssen aber auch die Krankenhäuser mitspielen, müssen einen Raum bereitstellen und sich mit den niedergelassenen Kollegen über die Aufgabenverteilung einigen. Da ist kein Platz für ein Gegeneinander. Berlin braucht die flächendeckende Einrichtung solcher Notfallpraxen ebenso wie mehr Medizinische Versorgungszentren, in denen Fachärzte zusammenarbeiten.