Regierungschef

Regiert in London bald wieder eine Eiserne Lady?

Wer folgt auf David Cameron? Innenministerin Theresa May gilt als aussichtsreiche Bewerberin auf den Posten des britischen Premiers.

Aussichtsreiche Kandidatin auf die Nachfolge von David Cameron: Innenministerin Theresa May.

Aussichtsreiche Kandidatin auf die Nachfolge von David Cameron: Innenministerin Theresa May.

Foto: Dan Kitwood / Getty Images

London.  Auf David Cameron kommt es nicht mehr an. Seit Donnerstag steht der Kreis der konservativen Politiker fest, die den Premier ablösen wollen und Großbritannien aus der EU führen sollen. Wie Brexit-Befürworter Boris Johnson fehlt auch Gesundheitsminister Jeremy Hunt, der ernsthaft über einen „Exit vom Brexit“ nachgedacht und über ein zweites Referendum spekuliert hatte.

An der Londoner Spielart „der Reise nach Jerusalem“ beteiligen sich zwei Frauen und drei Männer: Theresa May, Andrea Leadsom sowie Michael Gove, Liam Fox und Stephen Crabb. Die Fraktion im Unterhaus hat die Aufgabe, bis zum 21. Juli das Feld der Bewerber auf zwei Kandidaten zu reduzieren. Danach haben die rund 150.00 Parteimitglieder das Sagen. Die Kandidaten für einen Einzug in Downing Nr. 10 haben eines gemeinsam: Sie wollen den Brexit, die einen kompromissloser als die anderen.

Andrea Leadsom, Michael Gove, Liam Fox – die Hardliner: Michael Gove brachte sich mit einem Angriff auf Boris Johnson in Stellung. Er entzog ihm am Donnerstag öffentlich das Vertrauen – ein Paukenschlag. Johnson habe nicht genug „Führungskraft“, um die Herausforderungen eines Brexit zu bewältigen, und sei nicht in der Lage, ein geeignetes Team zu bilden, kritisierte Gove. Der Justizminister ist jetzt der prominenteste Kandidat des Brexit-Lagers.

Nach ihm – kurz vor Torschluss – warf die Energieministerin ihren Hut in den Ring. Sie sagt: „Lasst uns das Beste aus den Möglichkeiten des Brexit machen.“ Dritter im Bund ist Liam Fox. Bei ihm weiß jeder, woran man ist. Fox agitiert seit Jahren unverhohlen gegen die EU. 2005 zog er bei einer Kampfkandidatur um den Vorsitz der Tories gegen David Cameron den Kürzeren. 2011 musste er als Verteidigungsminister zurücktreten. Er hatte einen Rüstungslobbyisten auf Dienstreisen mitgenommen, mit dem er befreundet war. Da schien seine Karriere erledigt. Jetzt wittert er die Chance zum Comeback. Nach dem Brexit-Streit wirbt er für sich als Versöhner, der die Konservativen einen will.

Theresa May und Stephen Crabb – keine unversöhnlichen Europa-Gegner: Theresa May wird in Großbritannien „Eiserne Lady“ genannt – so wie einst Margaret Thatcher. Sie selbst sieht sich in der Nachfolge von Cameron, dessen politischen Nachlass sie am Donnerstag noch einmal lobte. Sie gilt neben Gove als die aussichtsreichste Bewerberin.

Auch sie möchte Partei und Land einen und unterstrich ihre Kompetenz, immerhin diente so lang wie sie keiner ihrer Amtsvorgänger. Die 59-Jährige stand zwar während des Brexit-Wahlkampfs auf der Seite Camerons im Lager der EU-Freunde. Allerdings hat sie auch euroskeptische Referenzen vorzuweisen: May hatte sich in der Vergangenheit deutlich gegen eine unkontrollierte Einwanderung ausgesprochen.

Sie fällt auf durch ein paar klare Ansagen. Es werde unter ihr zu keinen vorgezogenen Neuwahlen kommen, denn das Land brauche Stabilität, kündigte sie an. Und: Mit der Aktivierung von Artikel 50, die den offiziellen Start der Austrittsverhandlungen auslöst, solle man warten, „bis eine Exit-Strategie klar ist“, was bis zum Ende des Jahres dauern könne. Abwarten und Tee trinken? Sie sagt, es gehe ihr „um den bestmöglichen Zugang zum Binnenmarkt“ sowie darum, gewisse Kontrollen bei der Personenfreizügigkeit zu bekommen. „Meine Bewerbung ist einfach“, sagte sie, „ich denke, dass ich die beste Person bin, um Premierministerin dieses Landes zu werden.“

Dass Renten- und Arbeitsminister Stephen Crabb antritt, ist eine kleine Überraschung. Mit dem 43-Jährigen hatte man nicht unbedingt gerechnet, weil er erst seit wenigen Monaten Minister ist. Seine Duftmarke: Er strebt enge Beziehungen zur EU an, er gibt sich so gesprächsbereit wie May und moderater als die anderen Bewerber, ohne gleich für einen Exit vom Brexit einzutreten.