Istanbul

Spur der Istanbuler Attentäter führt nach Tschetschenien

IS-Funktionär bildet offenbar russischsprachige Terroristen aus

Istanbul.  Die drei Selbstmordattentäter, die am Dienstag am Istanbuler Atatürk-Flughafen 44 Menschen mit sich in den Tod rissen, waren russische, usbekische und kirgisische Staatsbürger. So hieß es am Donnerstag aus türkischen Regierungskreisen. Die Fahnder vermuten die IS-Terrormiliz als Drahtzieher hinter den Anschlägen. Einer der Selbstmordattentäter soll 2011 in bulgarischer Haft gewesen sein. Es handelt sich nach einem Bericht des Staatsfernsehens in Sofia vom Donnerstag um den Tschetschenen Achmed Radschapowitsch. Der Mann sei damals an einem bulgarisch-türkischen Grenzübergang auf Ersuchen Russlands festgenommen worden. Radschapowitsch sei nicht an Russland ausgeliefert worden, da er 2003 politisches Asyl in Österreich erhalten hatte.

Geplant worden sei der Anschlag von dem ebenfalls aus Tschetschenien stammenden IS-Funktionär Achmed Tschatajew, wie die regierungsnahe türkische Zeitung „Yeni Safak“ unter Berufung auf Sicherheitsbehörden berichtete. Er soll beim IS für die Ausbildung russischsprachiger Terroristen zuständig sein. Am Donnerstag nahm die Polizei in Istanbul 13 Personen und in der westtürkischen Hafenstadt Izmir neun Verdächtige fest.

Über den Ablauf der Anschläge gibt es neue Erkenntnisse. Ministerpräsident Binali Yildirim räumte ein, dass zwei der drei Selbstmordattentäter in das Flughafengebäude eindringen konnten. Einer habe im Terminal das Feuer eröffnet und sich in die Luft gesprengt. Ein zweiter Attentäter habe das Chaos genutzt, sei in den Sicherheitsbereich vorgedrungen und zur Abflughalle gelaufen, um dort seine Sprengstoffweste zu zünden. Der dritte Angreifer sprengte sich an einem Parkhaus in die Luft, als die Menschen aus dem Gebäude rannten. Auch die Angaben zur Opferzahl wurden korrigiert: 44 Menschen seien getötet worden, darunter 19 Ausländer.