Terroranschlag

Nach Attentat von Istanbul führen Spuren nach Österreich

Nach dem Anschlag am Istanbuler Flughafen hat es 16 Razzien gegeben. Unter den Verdächtigen sind Berichten zufolge auch Ausländer.

Polizisten patrouillieren vor dem Atatürk-Flughafen. Am Dienstagabend hatten sich drei Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt.

Polizisten patrouillieren vor dem Atatürk-Flughafen. Am Dienstagabend hatten sich drei Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt.

Foto: OSMAN ORSAL / REUTERS

Istanbul/Berlin.  Nach dem Anschlag auf den Atatürk-Flughafen in Istanbul werden immer mehr Informationen zu den Tätern bekannt. Nach Angaben von Ermittlern soll es sich bei den Attentätern um einen Russen, einen Usbeken und einen Kirgisen gehandelt haben. Spuren führen nach Österreich, wo mindestens ein Terrorist 2003 erfolgreich Asyl beantragt haben soll.

Die österreichische Zeitung „Die Presse“ schreibt, dass sich die türkischen Behörden in Österreich wegen Informationen zu dem Tschetschenen Ahmed Tschatajew gemeldet haben. Ein Sprecher des Wiener Innenministeriums sagte der „Presse“, es gebe aber noch keine gesicherten Erkenntnisse, ob Tschatajew tatsächlich für die Terrorattentate verantwortlich sei. Tschatajew war 2003 als Asylbewerber nach Österreich gekommen. Er soll ein Gefährte des tschetschenischen Islamisten-Führers Doku Umarow gewesen sein und sich nach dessen Tod 2013 möglicherweise der Terrormiliz „Islamischer Staat“ angeschlossen haben. Türkische Medien haben ihn bereits mit einem anderen Anschlag in Verbindung gebracht.

Attentäter aus Dagestan oder Tschetschenien?

Das bulgarische Staatsfernsehen berichtete, bei einem der Attentäter handele es sich ebenfalls um einen Tschetschenen, der ebenfalls 2003 in Österreich Asyl erhalten hatte. Bulgarische Behörden sind eingeschaltet, weil Bulgarien den Mann namens Achmed Radschapowitsch 2011 auf Ersuchen Russlands an der türkischen Grenze festgenommen habe. Wegen des politischen Asyls in Österreich habe ein Gericht die Auslieferung abgelehnt.

Der Bericht des bulgarischen Fernsehens widerspricht in Teilen türkischen Angaben: Bei dem Russen soll es sich demnach um einen Mann aus der Teilrepublik Dagestan handeln, nicht aus dem angrenzenden Tschetschenien. Russland hat diese Angaben bisher nicht bestätigt.

Bei Razzien gegen die Terrormiliz IS in Istanbul wurden am Donnerstag 13 Verdächtige festgenommen worden. Darunter seien drei Ausländer, hieß es aus Regierungskreisen. In der westtürkischen Stadt Izmir habe die Polizei neun weitere Verdächtige festgenommen. Die Polizei habe Razzien an 16 verschiedenen Adressen durchgeführt. Am Donnerstag wurde mit einer Schweigeminute der Opfer gedacht.

Attentäter war doch in die Abflughalle gelangt

Ministerpräsident Binali Yildirim räumte ein, dass zwei der insgesamt drei Selbstmordattentäter doch in das Flughafengebäude eindringen konnten. Der erste Attentäter habe sich an der Sicherheitskontrolle im Eingangsbereich in die Luft gesprengt und damit Chaos ausgelöst, so dass die weiteren Attentäter ins Gebäude gelangen und Sprengsätz in der Abflughalle im ersten Stock zünden konnten.

Ein dritter Attentäter sprengte sich demnach anschließend draußen vor dem Gebäude in die Luft. Er habe damit vermutlich fliehende Menschen treffen wollen.

Zunächst hatte es aus Regierungskreisen geheißen, keiner der drei Angreifer habe die Sicherheitsschleusen zum internationalen Terminal passiert. Augenzeugenberichte und Videos in sozialen Medien hatten jedoch früh darauf hingedeutet, dass mindestens ein Angreifer in den Innenbereich gelangte.

IS soll für Anschlag verantwortlich sein

Bei dem verheerenden Terrorangriff hatten die drei Selbstmordattentäter am Dienstag Dutzende Menschen mit in den Tod gerissen und 239 verletzt, darunter eine Deutsche.Die Zahl der von den Angreifern getöteten Ausländer ist höher als bislang bekannt. Innenminister Efkan Ala sagte am Donnerstag, 19 Ausländer seien unter den Opfern. Die Zahl der Todesopfer stieg nach Angaben von Anadolu auf 44. Nicht darin eingerechnet sind die drei Selbstmordattentäter, die ebenfalls starben.

Yildirim kündigte an, die Regierung werde „die Präsenz von unserem Sicherheitspersonal an den Eingängen in unseren Flughäfen steigern“. Besonders gelte das für speziell ausgebildete Sicherheitskräfte.

Aus Regierungskreisen hatte es zunächst geheißen, keiner der drei Angreifer sei ins Terminal eingedrungen, obwohl Augenzeugenberichte und Videos darauf hindeuteten. Yildirim hatte nur Stunden nach dem Angriff gesagt: „Weder im Abflug- noch im Ankunftsbereich am Flughafen kann von einer Sicherheitslücke die Rede sein.“

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sprach den Selbstmordattentätern jegliche religiöse Rechtfertigung für die Bluttat ab. „Das sollen Muslime sein?“, fragte Erdogan nach Angaben von Anadolu. „Sie haben ihren Platz in der Hölle vorbereitet.“ Der Präsident verwies auf Sure 5 im Koran, wonach das Töten eines unschuldigen Menschen dem Töten der gesamten Menschheit gleichkommt.

Es war bereits der vierte schwere Anschlag in Istanbul seit Jahresbeginn. Der IS hat sich noch zu keinem der ihm in der Vergangenheit zugeschriebenen Anschläge in der Türkei bekannt.

Das Brandenburger Tor in Berlin erstrahlte am Mittwochabend in den Farben der türkischen Flagge. Mit der Aktion zeige die deutsche Hauptstadt ihre Verbundenheit und Solidarität mit der Partnerstadt Istanbul, erklärte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD). (law/dpa/rtr)