Landwirtschaft

Grünen-Chef für Ausstieg aus industrieller Massentierhaltung

Vor dem Deutschen Bauerntag fordert Anton Hofreiter die Agrarwende. Der Grünen-Vorsitzende wirft Bauernverband Konfrontationskurs vor.

Gedrängt stehen Schweine am Futtertrog im Stall eines Mastbetriebes. Anton Hofreiter sind solche Bilder ein Dorn im Auge.

Gedrängt stehen Schweine am Futtertrog im Stall eines Mastbetriebes. Anton Hofreiter sind solche Bilder ein Dorn im Auge.

Foto: Patrick Pleul / dpa

Berlin.  Die Grünen fordern den Deutschen Bauernverband (DBV) zu einer grundlegenden Umkehr in der Landwirtschaft auf. „Wir brauchen eine Agrarwende und den Ausstieg aus der industriellen Massentierhaltung“, fordert der Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen, Anton Hofreiter, in einem Brief an den DBV-Präsidenten, der unserer Redaktion vorliegt.

Dem Bauernverbandspräsident Joachim Rukwied wirft Hofreiter vor, auf Konfrontation zu setzen, statt die Bauern zu Partnern der Agrarwende zu machen. „Viele Bäuerinnen und Bauern sind heute gefangen in einem System, das vom falschen politischen Ziel ,Immer mehr, immer billiger’ bestimmt ist. Das will ich ändern“, schreibt Hofreiter im Vorfeld des Deutschen Bauerntages, auf dem die Landwirte die Weichen für die Zukunft stellen wollen. „Die Landwirtschaft in Deutschland befindet sich in einer beispiellosen Krise“. Gesunkene Weltmarktpreise und Milchüberschüsse haben zuletzt immer mehr Bauern zur Aufgabe ihre Höfe gezwungen.

Viele Bauern wollen tiergerechter arbeiten

„Ich will eine zukunftsfähige grüne Landwirtschaft, die auch in 20, 30 oder 50 Jahren funktioniert“, schreibt Hofreiter. „Viele Bäuerinnen und Bauern wollen ökologischer und tiergerechter arbeiten, allerdings fehlt dafür bisher die politische Unterstützung der Bundesregierung“, sagte Hofreiter unserer Redaktion.

Konkret bedeutet für den Grünen-Vorsitzenden eine Agrarwende die stärkere Förderung von tier- und umweltfreundlicher Leistungen: „Schon heute könnten wir Agrar-Gelder umlenken und mehr als eine Milliarde Euro jährlich in mehr Tierschutz investieren. Das schafft neue Zukunftsperspektiven für bäuerliche Betriebe.“ Es bedeute auch: „Kein Kükenschreddern mehr und keine systematischen Amputationen mehr von Hühnerschnäbeln und Schweineschwänzen, die nur den Zweck haben, das Tier dem Stall anzupassen. Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet die Agrarwende eine Transparenzoffensive beim Einkauf. Alle sollen auch beim Fleisch – so wie jetzt schon beim Ei – erkennen können, aus welcher Haltungsform ihr Fleisch kommt.“