Flüchtlinge

Flüchtlingshilfe – der größte Inlandseinsatz der Bundeswehr

Eine Million Mahlzeiten, 2,2 Millionen Stunden Arbeit: Ein interner Bericht zeigt, wie die Soldaten den Flüchtlingen geholfen haben.

Bundeswehrsoldaten bieten bei der Ankunft von Flüchtlingen in Berlin Obst und Getränke an.

Bundeswehrsoldaten bieten bei der Ankunft von Flüchtlingen in Berlin Obst und Getränke an.

Foto: REUTERS / FABRIZIO BENSCH / REUTERS

Berlin.  Die Bundeswehrsoldaten haben seit Juni 2015 Flüchtlinge transportiert, versorgt, verpflegt und untergebracht. Dafür haben sie mehr als 2,2 Millionen Stunden gearbeitet. Noch heute helfen 1450 Soldaten und Mitarbeiter aus – in Spitzenzeiten waren es 9000. Die Flüchtlingshilfe ist für die Bundeswehr damit der längste und personalaufwendigste Inlandseinsatz ihrer Geschichte. Ihrem Leitspruch „Wir. Dienen. Deutschland“ wurde die Truppe durchaus gerecht.

Allein der Sanitätsdienst mit bis zu 650 Mitarbeitern war 190.000 Stunden im Einsatz, hat Reihenröntgenuntersuchungen, Impfungen, Sprechstunden und Trinkwasseranalysen durchgeführt. Das geht aus einer internen Auswertung des Verteidigungsministeriums hervor, die unserer Redaktion vorliegt. Die Bundeswehr kam insgesamt rund 850 Hilfsanträgen der Länder und Kommunen nach. Zum Vergleich: Bei der Fluthilfe 2013 waren es 330.

BAMF kann glänzen – dank der Bundeswehr

Unter anderem stellten die Streitkräfte 170.000 Unterbringungsplätze bereit – so viele wie Potsdam Einwohner hat. Ministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat schon vor einiger Zeit angekündigt, die Bundeswehr schrittweise von der Flüchtlingshilfe abzuziehen, weil sich die Lage entspannt hat.

Wenn sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Freitag zum vierten Mal mit den Verbänden und Initiativen der Flüchtlingshilfe trifft, will sie ihnen auf den Weg geben, „dass wir es nur gemeinsam schaffen. Aber dann schaffen wir das“, wie sie in ihrem wöchentlichen Podcast ankündigte. Dass gerade das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) eine bessere Figur denn je macht und mit einer höheren Schlagzahl glänzt, liegt nicht zuletzt an ihrer faktischen Reservearmee – an der Bundeswehr. Anfangs halfen die Soldaten vor allem bei der Registrierung, heute unterstützen sie das BAMF vornehmlich dabei, die Asylanträge zu bearbeiten.

Wie viel Geld die Flüchtlingshilfe gekostet hat, ist unklar. Eine Endabrechnung liegt nicht vor.

Einige Zahlen und Fakten:

• Die Bundeswehr lieferte eine Million Mahlzeiten aus.

• Sie transportierte in mehr als 4300 Fahrten 200.000 Asylsuchende. So viele wie die Einwohnerzahl von Saarbrücken.

• Auch Möbel wurden den Ländern und Kommunen zur Verfügung gestellt, 12.174 Betten, 12.261 Textilien und Matratzen, 31.804 Schränke, Tische und Stühle.

• Die größten Projekte sind nach wie vor die Wartezentren des Bundes in Erding und Feldkirchen sowie die Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Niedersachsen im Camp Fallingbostel. In Erding und Feldkirchen (beide Bayern) haben Wartezentren eine Kapazität von je 5000 Menschen.

• Im Camp Fallingbostel des Nato-Truppenübungsplatzes Bergen entlastete die Truppe Niedersachsen – von der Leyens Heimatregion –, indem sie eine Erstaufnahmeeinrichtung mit 6000 Unterbringungsplätzen übernahm.

• Für jedes Land stellte sie schnelle Unterstützung ab. Von November 2015 bis Juni 2016 standen 1000 Soldaten für kurzfristige Anforderungen bereit.