Lärmschutz

Warum die Aufregung der Bürger nachvollziehbar ist

Wer einmal auf die Durchfahrt eines Güterzugs mit leeren Kesselwagen erlebt hat, kann die aktuellen Befürchtungen nachvollziehen.

Von September an werden über den südlichen Innenring wieder Güterzüge durch die Berliner Innenstadt rollen. Die Deutsche Bahn hat den alten, seit 15 Jahre brachliegenden Schienenweg reaktiviert. Das ging sogar schneller als zunächst angekündigt. Doch trotz einer Investition von rund 13 Millionen Euro wurde lediglich der alte Zustand wiederhergestellt. Auf zusätzlichen Lärmschutz hat die Bahn verzichtet.

Wer einmal auf einem S-Bahnsteig die Durchfahrt eines Güterzugs mit leeren Kesselwagen erlebt hat, dürfte die jetzt laut werdenden Befürchtungen vieler Tempelhofer und Wilmersdorfer nachvollziehen können. Die Waggons poltern oft mit ohrenbetäubendem Lärm vorbei, begleitet von metallischen Schleifgeräuschen, die durch Mark und Bein gehen.

Gerade im weitgehend privatisierten Güterverkehr dominieren inzwischen Billig-Anbieter, die nur wenig Geld für moderne, lärmgeminderte Fahrzeuge übrighaben. Hinzu kommt: Die Strecke ist nicht elektrifiziert. Über die Schienen werden schwere, oft altersschwache Diesellokomotiven donnern wie etwa die berühmt-berüchtigten „Taigatrommeln“ russischer Bauart. Da kann es rasch passieren, dass für einen Anwohner die Nachtruhe schneller vorbei ist als gewünscht.

Auch wenn das Vorgehen der Bahn rechtlich nicht zu beanstanden ist. Spätestens seit den hitzigen Debatten über den Fluglärm am BER hätte ihr klar sein müssen, dass auch die Wiederaufnahme des Güterverkehrs durch die Innenstadt ein sensibles Thema ist.

Den Anwohnern nützt das ökologisch durchaus korrekte Argument wenig, dass so ein Güterzug 100 Lastkraftwagen ersetzt. Sie leiden unter mehr Lärm als vorher. Und dass Lärm krank macht, ist erwiesen. Gerade um die Akzeptanz eines gegenüber dem Lkw umweltfreundlicheren Verkehrsmittels zu sichern, muss die Bahn handeln. Zusätzlicher Lärmschutz an der Strecke muss her – und nicht erst, wenn dieser per Gesetz gefordert wird.