Brexit

Gabriel warnt Europäer vor „Scherbengericht“ mit Briten

„Nichts ist für immer und wenig ist von Dauer“, sagt SPD-Chef Gabriel unserer Redaktion zum Brexit. In Berlin beraten Gründerstaaten.

SPD-Chef Gabriel plädiert für einen behutsamen Umgang mit Großbritannien nach dem Brexit.

SPD-Chef Gabriel plädiert für einen behutsamen Umgang mit Großbritannien nach dem Brexit.

Foto: HANNIBAL HANSCHKE / REUTERS

Berlin.  Vizekanzler und SPD-Chef Sigmar Gabriel hat die Europäer zu einem behutsamen Umgang mit Großbritannien aufgerufen. „Die Brexit-Verhandlungen dürfen kein Scherbengericht über das britische Volk werden“, sagte Gabriel unserer Redaktion. „Jetzt ist Augenmaß gefragt, auch um die Wirtschaft stabil zu halten.“

Der SPD-Vorsitzende deutete an, dass er sich auch eine Rückkehr Großbritanniens in die EU vorstellen kann. „Nichts ist für immer und wenig ist von Dauer“, sagte er. Europas Zukunft sei mit der Entscheidung vom Donnerstag nicht zu Ende. Er erinnerte daran, dass fast drei Viertel der unter 25 jährigen in der EU bleiben wollten. „Wir dürfen die Zugbrücke nicht hochziehen“, forderte er. „Wir müssen der jungen Generation auf beiden Seiten des Kanals die Chance geben, wieder zusammenzurücken.“

Treffen der Gründerstaaten in Berlin

Unterdessen sind die Außenminister aus den sechs Gründerstaaten der Europäischen Union - damals hieß das Bündnis noch EWG - am Samstag in Berlin zu Beratungen über die Folgen des Brexit-Referendums zusammengekommen. An dem Treffen nehmen Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sowie seine Kollegen aus Frankreich, Italien und den Benelux-Ländern teil.

Deutschland und Frankreich wollen dabei gemeinsame Vorschläge zur Weiterentwicklung der Europäischen Union (EU) vorlegen. Im Entwurf für eine gemeinsame Erklärung ist von einer „flexiblen Union“ die Rede, die Raum lassen soll für Partnerländer, die weitere Integrationsschritte noch nicht mitgehen können oder wollen.

Die sechs Staaten hatten 1957 die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) gegründet, die Vorläuferorganisation der EU. Aus anderen Ländern, die bei dem Treffen nicht dabei sind, gibt es Kritik. (gau/dpa)