EU-Referendum

Brexit: Die Jungen wollten bleiben, die Alten wollten gehen

Großbritannien hat pro Brexit gestimmt. Allerdings waren bei weitem nicht alle Wähler für das Ausscheiden aus der Europäischen Union.

Dieser Mann warb vor dem Referendum in London für den Verbleib Großbritanniens in der EU. Gebracht hat es bekanntlich nichts ...

Dieser Mann warb vor dem Referendum in London für den Verbleib Großbritanniens in der EU. Gebracht hat es bekanntlich nichts ...

Foto: Michael Kappeler / dpa

Berlin.  In einem landesweiten Referendum hat sich Großbritannien gegen die EU entschieden. Allerdings ist die Mehrheit für den Brexit denkbar knapp: 51,9 Prozent aller Wähler stimmten für den Austritt, 48,1 Prozent für den Verbleib. Wie gespalten das Land in der EU-Frage ist, zeigt sich auch bei einer näheren Betrachtung der einzelnen Wählergruppen.

So gibt es im Wahlverhalten einen klaren Unterschied zwischen den Altersgruppen. Dies geht aus einer Umfrage hervor, die vom Umfrage-Institut YouGov vor der Wahl abgehalten wurde. Generell lässt sich auf dieser Grundlage sagen, je älter umso eher stimmten die Briten für den Brexit. Vor allem die jüngeren Briten beabsichtigten, für einen Verbleib in der EU zu votieren.

In der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen befürworteten lediglich 34 Prozent einen Brexit. In einer klaren Kurve nach oben intendierten von den 45- bis 49-Jährigen bereits 49 Prozent für den Ausstieg zu votieren.

Klar für das Ausscheiden waren vor dem Referendum die älteren Briten. So sprachen sich in der Altersgruppe der 55- bis 59-Jährigen 55 Prozent gegen den Verbleib in der EU aus; von den 75- bis 79-Jährigen sogar 65 Prozent. Der Guardian kam in seiner Auswertung der regionalen Wahlergebnisse außerdem zu dem Schluss, dass Regionen, in denen viele Bewohner mit höherer Bildung lebten, eher für einen Verbleib in der EU stimmten.

Die Financial Times kommt zu dem Schluss, dass die Korrelation zwischen Bildungsgrad und Abstimmungsverhalten noch stärker sei als das Alter.

Auch regional gab es im Wahlverhalten deutliche Unterschiede. Klar gegen das Ausscheiden Großbritanniens aus der EU stellte sich Schottland. Hier waren die EU-Befürworter in sämtlichen Landesteilen in der Überzahl, insgesamt 62 Prozent stimmten für den Verbleib. Der Brexit gibt so dem schottischen Streben nach Unabhängigkeit von Großbritannien neuen Auftrieb. Direkt nach Bekanntwerden des Wahlergebnisses gab Schottlands Regierungschefin Nicola Sturgeon bekannt, dass sie sie erneut eine Unabhängigkeitsabstimmung anstreben werde.

Auch in Nordirland waren viele Menschen gegen den Brexit. 55,8 Prozent der Wähler stimmten hier für den Verbleib in der EU. Die nationalistische Sinn Fein sieht sich deshalb im Aufwind. Ihr Ziel ist die Loslösung von Nordirland aus Großbritannien und dessen Vereinigung mit der Republik Irland.

Für den Brexit stimmten hingegen die Mehrzahl der Menschen in Wales (52,5 Prozent). Und auch in England votierten 53,4 Prozent der Wähler für den Brexit, das damit wahlentscheidend war: England ist der bevölkerungsreichste Landesteil des Vereinigten Königreichs, mehr als 15 Millionen stimmten hier für das Ausscheiden aus der EU. Eine Ausnahme in England bildete gleichwohl die Hauptstadt London, in der 59,9 Prozent der Wähler für den Verbleib stimmten, wie die BBC berichtet.