Politik

„Diese Diskussionen gibt es schon seit Jahrzehnten“

Zum Artikel: „Neue Pläne: Sechs
U-Bahn-Linien in Berlin sollen verlängert werden“ vom 21. Juni

Ich wundere mich, mit welcher Kleinkariertheit verkehrspolitische Lösungen diskutiert werden. Mit einigen Straßenbahnverlängerungen und dem Radwegeausbau allein lassen sich die Verkehrsprobleme einer Metropole nicht lösen. Ohne ein effizientes, weniger stauanfälliges Hauptstraßensystem sowie ein optimiertes U- und S-Bahnnetz wird es nicht gehen. Die Fraktionen von CDU und SPD fordern, sechs Baumaßnahmen im U-Bahnbereich zu prüfen. Wie lange soll noch geprüft werden? Bei der U8, der U3 und einer U-Bahnanbindung des Flughafengeländes in Tegel wird seit Jahrzehnten diskutiert. Wie wäre es, wenn man endlich mal bauen würde?

Alexander Walewski, Kreuzberg

Das Ordnungsamt fühlt sich nicht zuständig

Zum Artikel: „Nein, ich will mein Auto nicht verkaufen“ vom 22. Juni

Ich sammle und entsorge die Karten im Mülleimer, andere tun das nicht. Meine Anfrage beim Ordnungsamt wurde wie folgt beantwortet: „Es stellt eine Ordnungswidrigkeit dar. Sie können die Visitenkarten sammeln und uns zuschicken. Und Sie müssen eine Anzeige erstatten.“ Ich verstehe nicht, dass Ordnungsamtsmitarbeiter sich nicht zuständig fühlen, wenn man sie darauf aufmerksam macht. Ich werde keine Anzeige erstatten, denn dann habe ich wohl diese „Mafia“ und ihre Anwälte am Hals.

Walter Lampka, per E-Mail

Hoffentlich findet Europa wieder ins richtige Fahrwasser

Zum Artikel: „Trauerfeier für Jo Cox im britischen Parlament“ vom 21. Juni

Wer hat Angst davor, dass die britischen Bürger „Goodbye Europe“ sagen? Nur die, die fürchten, dass es Schule macht und auch bei anderen Mitgliedstaaten der Wunsch nach Veränderung entsteht. Ich stelle mir lieber nicht vor, was eine Abstimmung in Deutschland bringen würde. Kompetenzgerangel und keine einheitliche Linie haben den Glauben an die Einheit Europas erschüttert. Ich hoffe, dass wir die eigentlich gute Sache Europa wieder ins richtige Fahrwasser bekommen.

Mirko Kummerow, per E-Mail

Ein Theater muss Neues wagen und Scheitern in Kauf nehmen

Zum Artikel: „Götterdämmerung an der Volksbühne“ vom 22. Juni

Man reibt sich die Augen über ein so starkes Beharrungsvermögen in einer Künstlerszene, die von Natur aus stets das Neue suchen muss – unabhängig von einer Erfolgsgarantie. Hat man vergessen, wie die Berufung Castorfs zustande kam? Sie war bewusst mit dem Risiko des Scheiterns verbunden. Der Theaterexperte Ivan Nagel betonte 1991: „Bis zum Beginn des dritten Jahres könnte die neue Truppe entweder berühmt oder tot sein.“ Sie wurde berühmt. Ihr damaliger Hausregisseur Schlingensief gab die Parole aus „Scheitern als Chance!“ – und verließ später aus offenbar wohlüberlegten Gründen die Volksbühne wieder.

Wilfried Mommert, Wilmersdorf

Die Richterin äußert sich in zynischer Weise

Zum Artikel: „Fünf Jahre Haft für
ehemaligen Wachmann von Auschwitz“ vom 18. Juni

Wir alle wissen heute, wie das NS-Regime mit Leuten umgegangen ist, die sich der Gefolgschaft versagt haben. Da wurde „kurzer Prozess“ gemacht. Es stellt sich die Frage: War der damals gerade dem jugendlichen Alter entwachsene Wachmann ein eifriger Unterstützer des Regimes, ein Mitläufer oder wollte er durch den Wachdienst an sicherer Stelle sein Leben retten? Von daher ist der Hinweis der Richterin, er hätte sich ja auch zum Dienst an der Front melden können, sehr zynisch.

Roland Berens, Verl