Dresden/Berlin

Bachmann holt sich Rückhalt bei Pegida-Anhängern

Dresden/Berlin. Lutz Bachmann braucht dringend Rückhalt. Also stieg er am Montagabend in Dresden auf die Bühne, vor seine eigenen Leute, den Fremdenfeinden von Pegida – und holte sich Applaus. Zuvor war die Beziehung zwischen Pegida-Frontmann Bachmann und Pegida-Scharfmacherin Tatjana Festerling eskaliert. Am Ende dieser Spirale schmiss das Organisationsteam der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ um Bachmann die Mitstreiterin aus dem Führungskreis. Bei der Kundgebung am Montag sicherte sich Bachmann den Rückhalt für diese Entscheidung.

Bachmann forderte die Teilnehmer auf, per Handzeichen seinem Organisationsteam das Vertrauen auszusprechen. Ein Großteil der nach Schätzungen zwischen 1800 und 2400 Menschen kam der Aufforderung nach. Bachmann wies den von Festerling gegen ihn erhobenen Vorwurf eines „laxen“ Umgangs mit Spenden zurück. Er listete eine ganze Reihe von Ausgaben auf, die der Pegida-Verein etwa für Beschallungsanlage, Funkgeräte oder den Auftritt des niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders im April 2015 aufgewendet habe. Zu den Einnahmen sagte er nichts. Auch das ihm von Festerling angelastete mangelnde Engagement über die Grenzen Dresdens hinaus ließ Bachmann nicht gelten.

Streit eskalierte in sozialen Netzwerken

Bachmanns Team wiederum hatte Festerling vorgeworfen, sich nicht an Absprachen zu halten – und etwa Redebeiträge nicht wie vereinbart vorab zu besprechen. In den sozialen Netzwerken war der Streit eskaliert – beide Seiten beschossen sich mit Beschimpfungen. Festerling hatte zuletzt an Macht in der rechtspopulistischen Szene gewonnen und sich in eigenen Kampagnen wie „Festung Europa“ engagiert.

Bachmann steht dagegen unter Druck: Gerade ist er zu einer Geldstrafe von fast 10.000 Euro wegen Volksverhetzung verurteilt worden. Mit dem Streit zwischen seiner Fraktion und Festerlings Anhängern zeigt sich, dass das islamfeindliche Bündnis nicht mehr an einem Strang zieht. Es zerlegt sich.

Die Flüchtlingskrise steckt in der Türkei fest, es kommen kaum noch Menschen in Deutschland an. Pegida verliert ein wichtiges Motiv für ihre Mobilisierung. Im Fokus steht nun die Alternative für Deutschland, sie schafft es durch Provokationen, immer wieder Thema zu bleiben. Der Dresdner Politologe Werner Patzelt sagt: „Über viele Monate war der Kampf gegen Pegida quasi erste Bürgerpflicht. Das hat die Bewegung zusammengehalten.“ Nun sei dieser Außendruck weg, abgewandert in Richtung AfD. „Und Pegida sackt zusammen wie der Turm einer Sandburg, den niemand mehr mit den Händen zusammenhält.“ Heute sagt Politologe Patzelt, dass immer deutlicher werde, wie „Bachmann keine zweite starke Person neben sich“ dulde und „Pegida als sein Kind“ ansehe. Nur was, wenn dem Kind niemand mehr Aufmerksamkeit schenkt?