Flugzeugabsturz

Polen lässt Sarg von Ex-Präsident nach sechs Jahren öffnen

Behörden rollen den Absturz eines Regierungsflugzeuges aus dem Jahr 2010 neu auf. Die Leiche des Ex-Präsidenten soll untersucht werden.

Am 10. April 2010 stürzte eine Maschine mit Regierungsmitgliedern aus Polen im russischen Smolensk ab. Russische Behörden sicherten Wrackteile der Maschine.

Am 10. April 2010 stürzte eine Maschine mit Regierungsmitgliedern aus Polen im russischen Smolensk ab. Russische Behörden sicherten Wrackteile der Maschine.

Foto: imago stock&people

Warschau.  Neue Ermittlungen im Fall einer abgestürzten Regierungsmaschine aus dem Jahr 2010 erfordern nach Ansicht der polnischen Staatsanwaltschaft ungewöhnliche Methoden. So will die Behörde die Särge von zahlreichen Opfern des Absturzes im russischen Smolensk öffnen – darunter auch den des ehemaligen Präsidenten.

Bei dem Absturz im Jahr 2010 kamen neben mehreren Regierungsmitgliedern, Militärs und dem Notenbankchef auch der damalige Präsident Lech Kaczynski und seine Frau ums Leben. Kaczynskis Zwillingsbruder Jaroslaw ist heute als Chef der Regierungspartei „Partei Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) der starke Mann in Polen. Er hat die damalige Einschätzung, dass es sich bei dem Absturz um einen Pilotenfehler gehandelt habe, nie akzeptiert. Er vermutet eine Explosion an Bord des Flugzeugs. Außerdem machte Kaczynski den damaligen Ministerpräsidenten und heutigen Präsidenten des Europäischen Rates, Donald Tusk, indirekt für den Absturz mitverantwortlich.

Russisch-polnische Beziehung steht auf dem Spiel

Die neuen Untersuchungen könnten auch die Beziehungen zwischen Polen und Russland weiter belasten. Die PiS hat Russland zwar nie direkt vorgeworfen, für den Absturz und den Tod des damaligen polnischen Präsidenten verantwortlich zu sein. Russland habe aber davon profitiert, lautet die Position der Partei. Außerdem warfen PiS-Funktionäre Russland vor, die Ermittlungen zu verzögern und den Polen Beweisstücke vorzuenthalten.

Die polnische Delegation flog damals nach Smolensk, um der von sowjetischen Sicherheitskräften ermordeten polnischen Offiziere und Intellektuellen zu gedenken. Rund 22.000 Polen wurden 1940 getötet. Jahrzehntelang hatte die Sowjetunion Nazi-Deutschland für das Massaker an den Polen verantwortlich gemacht. (rtr)