Berlin/London

EU-Bankenaufsicht will London nach Brexit verlassen

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Berlin/London.  Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde EBA wird im Falle eines Brexit-Votums umziehen und damit London verlassen. „Wenn sich die Briten für einen Austritt aus der EU entscheiden, müssten wir tatsächlich in eine andere europäische Hauptstadt umsiedeln“, sagte der italienische EBA-Chef Andrea Enria der „Welt am Sonntag“. Dennoch sei es wichtig, jetzt nicht das Ziel der einheitlichen Bankenregulierung in Europa aus den Augen zu verlieren. „Diese Arbeit muss getan werden, unabhängig davon, wie das Referendum ausgeht. Wir müssen sicherstellen, dass es keine unterschiedlichen Regeln gibt zwischen den Ländern, die den Euro haben, und denen, die ihn nicht haben.“

Ein IWF-Bericht über den wirtschaftlichen Zustand des Vereinigten Königreichs geht davon aus, dass die Wirtschaftsleistung langfristig um bis zu 4,5 Prozentpunkte niedriger liegen würde als bei einem Verbleib in der EU. Für 2017 sehen die Szenarien des IWF sogar einen Rückgang der Wirtschaftsleistung vor, sollte der Brexit kommen.

IWF-Chefin Christine Lagarde hat unterdessen in einem flammenden Appell die Vorteile des Verbleibs in der Europäischen Union betont. Großbritannien sei Teil europäischer Fertigungsketten, etwa in der Auto- und Raumfahrtindustrie, sagte Lagarde am Freitag in Wien. Großbritanniens Handelsvolumen sei durch die Mitgliedschaft in der EU größer geworden, sowohl Löhne als auch Produktivität seien gestiegen. Die EU habe dazu beigetragen, Großbritannien in eine dynamische und lebendige Volkswirtschaft zu transformieren. „Großbritannien hat von den viele Beiträgen talentierter und fleißiger Migranten aus aller Welt und auch aus der EU profitiert“, sagte Lagarde.

Der IWF sieht Großbritannien selbst als Hauptverlierer

Die IWF-Experten gehen davon aus, dass Großbritannien selbst wirtschaftlicher Hauptverlierer eines Brexit sein würde. „Die hauptsächlichen makroökonomischen Auswirkungen würden Großbritannien betreffen“, sagte ein IWF-Experte. Großbritannien begebe sich in das Abenteuer Brexit trotz der zuletzt günstigeren Daten vom Arbeitsmarkt und beim Wachstum als ein wirtschaftlich angeschlagenes Land.

Seit der Finanzkrise 2008 konnte das Königreich nicht mehr die Maastricht-Kriterien für die Staatsverschuldung erreichen. Das Haushaltsdefizit liegt derzeit bei vier Prozent, die Gesamtverschuldung bei über 80 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Probleme sieht der IWF weiterhin bei Produktivität und dem vergleichsweise großen Leistungsbilanzdefizit, von über fünf Prozent. Sollten die Briten der Europäischen Union am kommenden Donnerstag tatsächlich „Good bye“ sagen, wird unmittelbar danach mit heftigen Ausschlägen an den Börsen gerechnet, unter anderem mit einer starken Abwertung des Pfund. Auch die Weltwirtschaft könnte deutlich in Mitleidenschaft gezogen werden.

( BM )

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