Politik

Kein Grund zum Ausruhen

Schulgewalt ist inakzeptabel. Die Verwaltung muss handeln

Ausgerechnet in der Schule, dort also, wo junge Menschen neben Mathe, Deutsch und Biologie auch einen menschlichen Umgang miteinander lernen sollen, ist jenes Mittel der Auseinandersetzung immer üblicher geworden, das ein friedliches Zusammenleben unmöglich macht: die Gewalt. Fast 2500 gemeldete Vorfälle mussten die Behörden im vergangenen Schuljahr registrieren. Das waren 15 Prozent mehr als im Jahr zuvor – und dieser Trend ist inakzeptabel. Denn Schule prägt. Und wo sonst könnte eine Gesellschaft Fehlentwicklungen ihres Nachwuchses besser korrigieren als in der Schule?

Die Berliner Koalition aus SPD und CDU will nun gegensteuern: mehr Prävention, mehr verbindliche Regeln, die Eltern, Schüler und Lehrer gemeinsam verabreden und an die sich alle halten müssen. Außerdem eine verschärfte Meldepflicht, damit auch vermeintlich weniger schwere Vorfälle wie Mobbing und Beleidigungen statistisch sauber erfasst werden, um aus den Zahlen die richtigen Schlüsse ziehen zu können.

Die Abgeordneten haben sich auf den Zehn-Punkte-Plan verständigt, die Zustimmung des Abgeordnetenhaus kann als sicher gelten. Damit ist es nun an der Verwaltung von Schulsenatorin Sandra Scheeres das Papier auch umzusetzen. Nicht nur all jenen, die Kinder haben, nein, allen, denen an einem respektvollen und angstfreien Miteinander gelegen ist, ist zu wünschen, dass die Behörde diese Aufgabe ernst nimmt. Denn Berichte von Schülern, Eltern und Lehrern, gerade aus sogenannten Pro­blemvierteln, zeigen, dass bei der angestrebten „Verbesserung des Schulklimas“ oft noch Luft nach oben ist.

Die Schulverwaltung weist zwar zu Recht daraufhin, bei der Prävention bereits viel unternommen zu haben. Ausruhen dürfen sich die Bildungspolitiker aber nicht. Dazu geben die Zahlen der Gewaltvorfälle keinen Anlass. Seite 11