Rad-Initiative

Jetzt rächen sich die Berliner Radfahrer am Senat

Die Rad-Aktivisten haben 105.000 Unterstützer und der Senat hat ein Problem. Er hat die Stimmung in der Stadt falsch eingeschätzt.

Der Berliner Senat – und hier vor allem Verkehrssenator Andreas Geisel – hat ein neues Problem. Offenbar haben die Initiatoren des Volksbegehrens für mehr Geld für den Radverkehr einen Nerv getroffen. In Rekordzeit haben die Rad-Aktivisten 105.000 Unterschriften von Unterstützern gesammelt, die ein nachdrückliches Ausrufungszeichen für ihr Vorhaben darstellen.

Aber auch die aktuelle Umfrage zum Radverkehr von Infratest dimap im Auftrag der Berliner Morgenpost unterstreicht den Handlungsbedarf. Mehr als 60 Prozent der Berliner finden, dass der Senat zu wenig für die bis zu 500.000 Radfahrer in der Stadt unternimmt. Bei den Jüngeren sind es sogar 70 Prozent. Demgegenüber fordert nur jeder siebte Berliner mehr Geld für den Autoverkehr.

Dieses Meinungsbild ist beeindruckend und zeigt, wie falsch der Senat die Stimmung in der Stadt eingeschätzt hat. Jetzt befindet er sich drei Monate vor der Wahl in der Defensive, und es ist nicht zu erkennen, wie er sich daraus wieder befreien kann. Denn die Mängel sind eklatant.

Jeder, der sich auch nur gelegentlich aufs Rad setzt, erlebt Haarsträubendes. Sei es, an Hauptstraßen ungeschützt in den Autoverkehr gedrängt zu werden, oder auf maroden Radwegen durch die Gegend rumpeln zu müssen. Mittlerweile haben sogar die Autofahrer Mitleid. Jeder Zweite, der überwiegend mit dem Auto unterwegs ist, unterstützt die Forderung nach mehr Rad-Infrastruktur.

Es rächt sich, dass der Senat die steigende Zahl der Radfahrer stiefmütterlich behandelt. Während er den umstrittenen Ausbau der Autobahn 100 vorantreibt, zeigt er den Radfahrern die kalte Schulter. Das wird sich in den kommenden Monaten und Jahren ändern. Sei es durch ein spätes Einsehen – oder einen Volksentscheid, der in der gegenwärtigen Stimmung sicher für den Senat verloren geht.