Berlin

Mehr Bildung – ungerecht verteilt

Die Studie 2016 zeigt Fortschritte. Aber immer noch ist die Herkunft entscheidend

Berlin. 2008 rief die Kanzlerin die „Bildungsrepublik“ aus. Doch mit der geht es eher schleppend voran. Der am Donnerstag im Bundesministerium für Forschung und Bildung vorgestellte Bericht „Bildung in Deutschland 2016“ zeigt, dass immer noch maßgeblich die soziale Herkunft über den Bildungserfolg der Deutschen und Zugezogenen mit Migrationshintergrund entscheidet. Eine der Kernthesen der Studie des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) lautet: „Mehr Bildung bei fortbestehender Ungleichheit“. Professor Kai Maaz, der den Bericht am Donnerstag vorstellte, sagte: „Soziale Herkunft, Migrationshintergrund und zunehmend auch regionale Rahmenbedingungen üben einen starken Einfluss auf den Bildungserfolg aus.“

Zum Beispiel liege der Anteil von sprachförderbedürftigen Drei- bis Fünfjährigen seit Jahren konstant bei knapp einem Viertel. Eine Förderung brauchen vor allem Kinder aus Elternhäusern mit niedrigem Bildungsabschluss und nicht deutscher Muttersprache.

Auch bei den Jugendlichen lässt sich die These der sozialen Ungleichheit fortschreiben. Denn ausländische Jugendliche verlassen mehr als doppelt so häufig die Schule ohne Hauptschulabschluss und erreichen dreimal seltener die Hochschulreife als deutsche. Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) räumte ein, dass trotz vieler gut gemeinter Projekte und Maßnahmen die Chancengleichheit ein langwieriger Prozess sei. „Es ist mühselig“, sagte sie.

Verbesserungen gibt es seit der ersten Pisa-Erhebung des Jahres 2000 vor allem bei Jugendlichen aus ärmeren Elternhäusern, etwa im Bereich der Lesekompetenz. Auch der Betreuungsschlüssel zeigt einen positiven Bildungstrend. So ist die Beteiligung an Betreuungsangeboten von unter Dreijährigen auf 52 Prozent in Ostdeutschland und 28 Prozent in Westdeutschland gestiegen. Auch der Ausbau der Ganztagsschulen schreitet laut Studie voran. Zudem halte der Trend zu höheren Abschlüssen an. Während 2014 rund 41 Prozent der Schüler an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen die Hochschulreife erlangten, waren es 2006 nur 29,6 Prozent.

Länder sollen Blick verstärkt auf gering Qualifizierte richten

Als Erfolg verbuchte Bildungsministerin Wanka besonders eine Zahl: Der Anteil der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss ist von 2006 auf 2014 von acht auf 5,8 Prozent gefallen. „Eine bessere Bildung ist künftig auch eine Grundvoraussetzung für ein besseres Arbeitsleben, ob in der Werkhalle oder im Büro.“ Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Claudia Bogedan, betonte, dass man den Blick verstärkt auf die Gruppe der gering oder nicht Qualifizierten richten müsse. Dazu würde in den Ländern verschiedene Maßnahmen bereits greifen. Wie eine zielgerichtete und Beratung schon in der Schule. Für die Zukunft sei es eine wichtige Aufgabe, die Sprachkompetenz von Asylsuchenden zu verbessern, so Bodegan. Das fordere mehr Personal und mehr Anstrengungen. Denn von den 2015 zugewanderten Asylsuchenden ist mehr als die Hälfte unter 25 Jahre alt. So hat sich auch der Anteil der unter Dreijährigen mit Migrationshintergrund in den Kitas seit 2009 auf 22 Prozent in 2015 verdoppelt.

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