Rechtspopulisten

Pegida trennt sich von Frontfrau Tatjana Festerling

Erneuter Streit bei der islamfeindlichen Pegida-Bewegung: Die einstige Frontfrau Tatjana Festerling hat den Verein jetzt verlassen.

Pegida-Aktivistin Tatjana Festerling während einer Kundgebung auf dem Altmarkt in Dresden (Sachsen).

Pegida-Aktivistin Tatjana Festerling während einer Kundgebung auf dem Altmarkt in Dresden (Sachsen).

Foto: Sebastian Kahnert / dpa

Dresden.  An der Spitze der Pegida-Bewegung ist es offenbar zu einem Eklat gekommen. In einem Post der Bewegung auf Facebook heißt es: „Tatjana Festerling hat das Pegida OrgaTeam verlassen.“ Als Grund nennt die Organisation vereinsschädigendes Verhalten und bezieht sich auf „Alleingänge“ und fehlende Absprachen bei Redebeiträgen und Interviews.

Zuvor hatte der niederländische Rechtspopulist Edwin Wagensveld, auch über Facebook, verbreitet, dass Festerling aus dem Verein ausgeschlossen worden sei. Sächsische Medien sprachen am Mittwoch von einem erneuten Bruch in der Führungsriege der asylfeindlichen Bewegung. Bereits Anfang 2015 hatte es eine Abspaltung im Organisationsteam gegeben.

Der Festerling-Vertraute Wagensveld schrieb auf Facebook: „Erst wird Tatjana am 18. April von der Bühne gejagt und bekommt ein Redeverbot mit den Worten ,Du hast deine Rede nicht eingereicht und wir wollen nicht, dass du über Bilderberg sprichst’.“ Dann habe es die Information gegeben: „Wir haben einen Beschluss gefasst, dich wegen ,Pegida’-Schädigung aus dem Verein auszuschließen.“

Pegida widerspricht sich selbst

Laut der offiziellen Pegida-Mitteilung wurde Festerling „weder ausgeschlossen, noch bekam sie Redeverbot“. Sie sei auch nicht wie behauptet von der Bühne gejagt worden. Dann aber widerspricht sich die Bewegung selbst: Festerling habe ihre Rede nicht im Vorfeld zur Verfügung gestellt. Das aber sei Grundsatz des Vereins. „An Absprachen hält man sich. Das ist der Vertrauensgrundsatz. Mitglieder, die sich dann an diese Regeln und Absprachen nicht halten, werden ausgeschlossen oder gekündigt.“ Festerling habe sich vereinsschädigend verhalten, sie habe immer wieder Interviews ohne Absprache mit dem Orga-Team gegeben.

Festerling, ehemalige Dresdner Oberbürgermeister-Kandidatin, war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Seit Wochen trat sie nicht mehr bei Pegida-Demonstrationen auf. Seither schwelt wohl auch der Streit unter den Organisatoren.

Bereits Anfang 2015 hatte sich das Pegida-Organisationsteam gespalten. Damals kam es zum Bruch mit Frontfrau Kathrin Oertel und Mitorganisator Rene Jahn. Letzterer beteiligte sich in diesem Jahr an der Organisation von Bürgerdialogen mit Pegida-Anhängern in der Dresdner Kreuzkirche. Bei den wöchentlichen Demonstrationen mobilisiert die fremdenfeindliche Bewegung derzeit zwischen 2.000 und 3.000 Teilnehmern. (sdo/epd)