Cyber-Terror

Nato: Bündnisfall gilt auch für das Schlachtfeld Internet

Die Nato kämpft an Land, auf Wasser und in der Luft. Beim Gipfeltreffen in Warschau stößt die Nato aber in einen weiteren Raum vor.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg will die Strategie des Militärbündnisses im Internet fortführen.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg will die Strategie des Militärbündnisses im Internet fortführen.

Foto: FRANCOIS LENOIR / REUTERS

Berlin.  Das Militärbündnis Nato hat in der Vergangenheit mehrfach betont, dass es seine Mitgliedsstaaten auch im Kampf gegen internationale Terror-Gruppen verteidigt. Um den Terroristen entgegenzutreten, kämpfen Nato-Soldaten an Land und auf Wasser – unterstützt von Satellitentechnik werden Befehle sogar durch das Weltall geschickt. Doch beim Nato-Gipfel in Warschau vom 8. bis 9. Juli stößt das Bündnis in ganz andere Weiten vor: Das Internet wird offiziell zum Kampfgebiet erklärt, wie Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg mitteilte.

Stoltenberg erklärte nach Angaben von Nato-Sprecherin Oana Lungescu: „Wir sind übereingekommen, dass wir beim Nato-Gipfel den Cyberspace als operativen Bereich anerkennen werden – genau so wie Luft, See und Land“, hieß es in einem Twitter-Beitrag.

Nato-Verantwortliche hoben zudem hervor, dass auch der Bündnisfall im Internet gelten sollte. Bündnis-Sprecherin Carmen Romero bezog sich beim Kurznachrichtendienst Twitter auf den Artikel 5 des Nato-Vertrages. Darin wird geregelt, dass ein Angriff auf ein Mitgliedsland so gewertet wird wie ein Angriff auf das gesamte Bündnis.

Die Folge wäre, dass alle Mitglieder dem angegriffenen Staat militärische Hilfe leisten. Genau dieses Szenario soll nun auch im digitalen Raum gelten. Es soll also keine Rolle mehr spielen, ob der Feind mit Elitesoldaten einen schützenden Erdhügel überrennt oder ob er die Firewall eines Regierungsnetzwerk lahm legt.

Die Nato verfolgt schon seit längerem eine Abwehrstrategie im Internet. So wurden nach einem groß angelegten Hacker-Angriff auf das Verwaltungsnetz des Bündnismitglieds Estland Verteidigungsstrategien ausgearbeitet. Doch bis dato konzentrierte sich die Nato vor allem auf die Verteidigung der eigenen Netze und Schulungen einzelner Stellen der Mitgliedsstaaten, wie aus einer Darstellung auf der Bündnis-Homepage hervorgeht.

Es ist zu vermuten, dass die Themen Cyber-Krieg und internationaler Terrorismus beim kommenden Nato-Gipfel in Warschau nicht nur einzeln betrachtet, sondern gemeinsam diskutiert werden. Dies scheint nicht zuletzt deshalb nötig, weil Terror-Organisationen wie die Miliz IS immer wieder ausländische Internetseiten und Netzwerke hacken. Hinzu kommt der Kampf gegen die terroristische Propaganda, die überwiegend im Internet stattfand. So streamte ein Anhänger des IS vor wenigen Tagen Teile einer Geiselnahme nahe Paris. Nachdem der Mann einen Polizisten und dessen Frau getötet hatte, loggte er sich bei Facebook ein und übertrug ein Live-Video, während er sich mit dem Kind des Paares verschanzt hatte.