Orlando-Massaker

US-Botschafter Emerson: Zugang zu Kriegswaffen stoppen

Der US-Botschafter John B. Emerson fordert im Interview als Konsequenz aus dem Massaker von Orlando schärfere Waffengesetze in den USA.

„Ich glaube nicht, dass wir uns schützen können, indem wir unsere Gesellschaft militarisieren“, sagt US-Botschafter John B. Emerson nach dem Massaker in Orlando im Interview.

„Ich glaube nicht, dass wir uns schützen können, indem wir unsere Gesellschaft militarisieren“, sagt US-Botschafter John B. Emerson nach dem Massaker in Orlando im Interview.

Foto: Uwe Zucchi / dpa

Berlin.  Der amerikanische Botschafter John B. Emerson hat als Konsequenz aus dem Terroranschlag in Orlando schärfere Waffengesetze für die USA gefordert, aber gleichzeitig vor Überreaktionen des Rechtsstaats gewarnt. „Wir brauchen eine Diskussion im ganzen Land, um sicherzustellen, dass niemand einen leichten Zugang zu Kriegswaffen hat“, so der US-Diplomat.

Der Anschlag von Orlando ist die größte US-Terrorattacke seit dem 11. September. Hat der Terror eine neue Qualität?

John Emerson: Hinter Orlando steckt ein Verbrechen aus Hass, aber auch aus terroristischen Motiven. Der Anschlag scheint eine Entwicklung der Attacken zu sein, die wir in Paris oder San Bernardino gesehen haben. Der Angriff auf eine bestimmte Gruppe, insbesondere die Schwulen und Lesben, ist aber ein neues Element in diesem Terrorismus.

In Orlando wie zuvor in San Bernardino waren sehr wahrscheinlich Einzeltäter am Werk. Wie können wir uns gegen solche Terrorattacken schützen?

Emerson: Ich glaube nicht, dass wir uns schützen können, indem wir unsere Gesellschaft militarisieren, unsere Freiheiten abschaffen oder alle Bürger mit Waffen ausstatten, wie einige dies in den USA vorschlagen. Paris, Brüssel und nun Amerika haben gezeigt: Leute werden zu Terroristen, die Bürger unseres Landes sind und die mitten in unserer Gesellschaft aufwachsen und leben. Sie fühlen sich isoliert, radikalisieren sich, sind voller Hass und begehen Terroranschläge. Wir müssen in Milieus gehen, die zur Radikalisierung neigen.

Wir müssen mit Familienangehörigen, Lehrern und Leuten des jeweiligen Ortes zusammenarbeiten, die frühe Anzeichen von Radikalisierung erkennen. Ziel muss es sein, die Menschen zu erreichen, bevor ein Anschlag passiert.

Braucht der Staat nicht härtere Mittel gegen diese Ein-Mann-Armeen?

Emerson: Das ist sehr schwierig. Es sei denn, Sie wollen einen totalen Überwachungsstaat. Wo mehr Freiheit herrscht, gibt es leider auch Nischen für Terrorismus. Wir haben das beim Anschlag gegen das Magazin „Charlie Hebdo“ in Paris und nun auch in Orlando gesehen: Einige Verdächtige sind auf dem Radarschirm der Sicherheitsbehörden, aber man kann sie nicht permanent ins Gefängnis stecken. Wir leben in einem Rechtsstaat. Wir müssen die Balance zwischen Freiheit und Sicherheit wahren.

Muss nicht der Waffenverkauf in den USA viel stärker reglementiert werden?

Emerson: Keine Frage. In den 90er-Jahren hatte die Clinton-Regierung ein Verbot des Verkaufs von Angriffswaffen verfügt. Leider wurde das später im Kongress nicht erneuert. Wie Präsident Barack Obama bereits erklärt hat: Wir dürfen nicht zulassen, dass Kriegswaffen in den Händen von Terroristen landen. Sie haben auch nichts in den Wohnungen oder auf den Straßen Amerikas verloren.

Wie stark wird der Anschlag von Orlando den US-Präsidentschaftswahlkampf beeinflussen?

Emerson: Die Tragödie von Orlando darf durch keinen Kandidaten politisch instrumentalisiert werden. Aber wir brauchen eine Diskussion im ganzen Land, um sicherzustellen, dass niemand einen leichten Zugang zu Kriegswaffen hat. Ich habe keinen Zweifel, dass dies eines der großen Themen im Wahlkampf sein wird.

Besteht nicht die Gefahr, dass der Angst-Faktor den Wahlkampf dominiert?

Emerson: Wir sind ein besseres Land, als von den Angstmachern behauptet wird. Unsere Nation blüht immer dann auf, wenn Leute zusammenkommen, nicht wenn Spaltung betrieben wird.