Politik

Die guten Ratschläge der Mütter

Welchen Tipp aus Kindheitstagen US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton erfolgreich beherzigt

Als sich Hillary Clinton am vergangenen Dienstag in Brooklyn zur Siegerin des US-Vorwahlkampfes bei der Demokratischen Partei erklärte und damit wohl als erste Frau in der Geschichte der USA für das Präsidentenamt kandidieren wird , erwähnte sie viele Geschlechtsgenossinnen, die es ihr möglich gemacht haben, diesem Ziel so nahe zu kommen. Es fielen die großen Namen der US- Frauenbewegung, von Rosa Parks bis zu Gloria Steinem.

Aber eine Frau hob sie besonders hervor: ihre Mutter. Sie erwähnte einen Rat ihrer Mutter, der aus ihrer Kindheit stammt, aber nach wie vor ihr Leben beeinflusst: Sich immer zur Wehr zu setzen gegen diejenigen, die sich als mächtiger darstellen.

„Meine Mutter hat mir beigebracht, niemals einen Rückzieher vor einem Bully zu machen,“ sagte Hillary Clinton und fügte hinzu, „das hat sich als ein ziemlich guter Rat erwiesen.“

Allen im Saal war klar, wer damit gemeint war. Doch Republikaner-Kandidat Donald Trump ist nicht der einzige Bully, der sich heutzutage auf der Welt breitmacht. Der Bully scheint überall zu sein.

Für Schüler ist es das Cyberbullying, das durch Attacken über das Internet oder per Kurznachrichten droht. Jugendliche müssen lernen, wie man damit umgeht, wenn im Netz gepöbelt und verleumdet wird, um sozialen Beziehungen zu schaden.

Doch nicht nur Jugendliche kämpfen damit. Auch Erwachsene, die in den sozialen Medien unterwegs sind, können sehr schnell zur Zielscheibe von Menschen werden, die ihre Meinung nicht teilen oder gar abstoßend finden. Tweets und geschriebene Kommentare lassen sich schnell verbreiten und oft geht die ursprüngliche Bedeutung auf dem Weg verloren.

Bemerkenswert, dass man im Englischen von einem Bully ein sehr klares und prägendes Bild hat. Das von dem großen Jungen aus der Kindheit – der auf dem Schulhof alle verprügeln will – während er im Deutschen als „Tyrann“ bezeichnet wird.

Doch im Fall des türkischen Präsidenten Erdogan passt diese Übersetzung wohl sehr gut. Ein Staatsmann, der frei gewählte Abgeordnete eines fremden Landes angreift und deren Glaubwürdigkeit infrage stellt, hat nicht nur ein großes Selbstbild und einen großen Glauben an seine persönliche Macht, sondern er stellt eine konkrete Bedrohung dar.

Angesichts so eines Bully wünscht man sich einen Helden, der einem wie ein großer Bruder zur Seite eilt, um einen vor dem Bösen zu retten. In dieser Woche war es Bundestagspräsident Norbert Lammert, der die Rolle des Helden übernommen hat, als er klare Worte dafür fand, dass der Versuch, „Druck auf einzelne Abgeordnete auszuüben“, das „ganze Parlament“ angreift.

Nur hatte man sich eine so klare Stellungnahme auch von der Bundeskanzlerin gewünscht. Stattdessen hat sie Erdogans Aussagen als „nicht nachvollziehbar“ bezeichnet. Da stellt man sich die Frage, ob die Bundeskanzlerin in ihrer Antwort mit Blick auf die starken Männer für den Bully aus der Türkei aus taktischen Gründen auswich oder sie sich in dieser aufgeheizten außenpolitischen Auseinandersetzung nicht traute, deutlicher zu werden. So oder so – es entsteht der Eindruck, dass sie in diesem Zusammenhang weiteren Konflikten mit der Türkei aus dem Weg gehen will, aus welchem Grund auch immer.

Nun wird viel in den USA spekuliert, ob Frau Clinton bereit ist und das nötige Stehvermögen hat, um Donald Trump vom Weißen Haus fernzuhalten. Doch in ihrem politischen Leben schien sie immer dann am stärksten, wenn sie direkt angegriffen wurde, sei es von den Medien oder vom politischen Gegner im Kongress. Vielleicht hat ihr ihre Mutter mit dem Rat, sich nie vor einem Bully zu beugen, das Wichtigste im Leben beigebracht. Es bleibt zu hoffen, dass auch Frau Merkels Mutter ihrer Tochter einen ähnlichen Rat mit auf den Weg gegeben hat.

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