Armenien-Resolution

Türkei schmiedet einen „Aktionsplan“ gegen Deutschland

| Lesedauer: 3 Minuten
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan plant laut einem Sprecher Protestmaßnahmen gegen Deutschland.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan plant laut einem Sprecher Protestmaßnahmen gegen Deutschland.

Foto: Sedat Suna / dpa

Der Ton in der Türkei gegenüber Berlin wird schärfer: Ein „Aktionsplan“ wird vorbereitet und ein Termin mit Norbert Lammert gekippt.

Istanbul.  Nach der Völkermordresolution des Bundestags zu den Massakern an den Armeniern will die Türkei nach offiziellen Angaben Protestmaßnahmen gegen Deutschland ergreifen. „Die zuständigen Behörden, allen voran das Außenministerium, bereiten einen Aktionsplan vor“, sagte der Sprecher von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan, Ibrahim Kalin, am Mittwoch bei einer im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz in Ankara.

Die vorgeschlagenen „Maßnahmen“ würden dann dem Ministerpräsidenten und dem Präsidenten vorgelegt. Details würden erst danach mitgeteilt. Die Türkei hatte vehement gegen die Bundestagsresolution protestiert.

Fastenbrechen mit dem Bundestagspräsidenten abgesagt

Der dem türkischen Staat nahe stehende Moschee-Dachverband Ditib hat unterdessen ein für Donnerstagabend angesetzten Termin mit Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) abgesagt. Lammert sollte in der Berliner Sehitlik-Moschee an einem Empfang zum Fastenbrechen („Iftar“) im Ramadan teilnehmen. Hintergrund für die Absage ist offenbar ebenfalls die jüngste Armenien-Resolution des Bundestags.

„Wegen Drohungen haben wir uns dazu entschlossen, unseren Iftar-Empfang in Berlin abzusagen“, erklärte Ditib am Mittwoch in Köln. Der Sprecher des Bundestages, Ernst Hebeker, bestätigte die Absage des Treffens. Der Veranstalter habe dem Bundestagspräsidenten allerdings keinen Grund dafür mitgeteilt.

„Hetzerische Diffamierungen und Anfeindungen“

Der türkisch-islamische Verband Ditib betonte in seiner Erklärung, dass politische Auseinandersetzungen sachlich und vernünftig geführt werden müssten. „Hetzerische Diffamierungen, Gewaltbereitschaft und entmenschlichende Anfeindungen sind keine legitimen Mittel, um in einer demokratischen Gesellschaft Konflikte und Meinungsverschiedenheiten auszutragen“, so Ditib. Die Absage des Treffens mit Lammert solle „eine Mahnung an alle sein, die durch Aggression und Hass Menschen daran hindern, ihrem Glauben zu folgen, den Ramadan zu leben und sich mit anderen auszusprechen und den Weg der Versöhnung zu suchen“, hieß es.

In der vergangenen Woche hatte der Bundestag die Armenien-Resolution verabschiedet. Darin wird die Vernichtung von bis zu 1,5 Millionen Armeniern im Osmanischen Reich vor rund 100 Jahren als Völkermord angesehen. Die Türkei lehnt diesen Begriff ab und hatte empört auf den deutschen Parlamentsbeschluss reagiert.

Zeitung titelt nach Anschlag: „Deutsches Werk“

Auch in der türkischen Presse wird Front gemacht gegen Deutschland. Die der Regierungspartei AKP nahestehende Zeitung „Günes“ macht am Mittwoch Deutschland für den Bombenanschlag am Dienstag in Istanbul mit elf Toten verantwortlich. „Deutsches Werk“, lautet die Schlagzeile auf der Titelseite des Blattes. Deutschland habe die harte Reaktion der Türkei auf die „beschämende“ Armenien-Resolution des Bundestages nicht ertragen. „In Panik geratend, ist es in alte Gewohnheiten zurückgefallen. Es hat die Terrororganisationen, die es als Marionette benutzt, einen blutigen Anschlag in Istanbul verüben lassen.“ Das Blatt beruft sich dabei auf Volkes Stimme: „So denkt die Türkei“, schreibt „Günes“. (W.B./dpa)

Neueste Politik Videos

Neueste Politik Videos