Antisemitismus

Wie Rechte im Netz mit Geheimcodes gegen Juden hetzen

Neonazis in den USA markieren Juden im Netz mit besonderen Zeichen. Die Codes gehen zurück auf eine Bewegung, die für Trump kämpft.

Eine rechte Veranstaltung in Kansas City, Missouri, zum 75. Jahrestag der Reichspogromnacht im Jahr 1938.

Eine rechte Veranstaltung in Kansas City, Missouri, zum 75. Jahrestag der Reichspogromnacht im Jahr 1938.

Foto: © Dave Kaup / Reuters / REUTERS

Berlin.  Die Methode erinnert an das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte: Im Netz markieren Anhänger der amerikanischen, rechtsextremen „Alt-Right“-Bewegung hundertfach Juden mit speziellen Zeichen. Beim Kurznachrichtendienst Twitter setzen sie typisch jüdische Nachnamen wie Fleischmann oder Weisman in drei Klammern, um damit ihre Herkunft hervorzuheben.

Der Code geht laut US-Medien zurück auf das antisemitische Blog „Right Stuff“, das judenfeindliche Stereotype bedient. „Alle jüdischen Nachnamen haben über die Geschichte hinweg ein Echo“, heißt es auf der Seite. Diese würden dem Nicht-Juden immer wieder aufs Neue flehentlich die Sünde des Holocausts vorwerfen. Das ist der antisemitische Gedanke hinter den Zeichen: Sie sollen dieses wiederhallende (((Echo))) symbolisieren.

„Alt-Right“-Bewegung sympathisiert mit Trump

Das Nachrichten-Portal mic.com zitiert aus einer E-Mail eines der Autoren von „Right Stuff“, in der er die Symbolik erklärt. Jede Klammer habe demnach eine besondere Bedeutung: Sie stehen für die im Weltbild der Neonazis von Juden verursachte Zerstörung der Familie durch die Massenmedien, den angeblichen Verfall der Nation durch Massenzuwanderung und für den internationalen Zionismus.

Die „Alt-Right“-Bewegung versteht sich selbst als Alternative zum konservativen Mainstream, lehnt Zuwanderung strikt ab und sympathisiert mit dem Präsidentschaftskandidaten Donald Trump. Als einer der Ersten berichtete der Journalist Jonathan Weisman von der „New York Times“ über die Symbole. „Hello (((Weisman)))“, schrieb ihm ein Nutzer, nachdem der Journalist einen NYT-Artikel getwittert hatte, der Donald Trump kritisierte. („This ist how facism comes to America“).

Weisman äußerte sich über seinen Twitter-Account wiederholt kritisch über den Republikaner Trump. „(((@jonathanweisman))) Könnten Sie bitte aufhören eine neue Shoah heraufzubeschwören“, schreibt ein Twitter-Nutzer postet dazu ein Foto von erhängten Juden.

Zwar haben die großen Konzerne Facebook, Twitter und Google angekündigt, stärker gegen Hasskommentare im Netz vorzugehen. Doch dürfte sich zumindest das Melden von Nutzern in diesem Fall schwierig gestalten. Denn die Suchfunktion des Kurznachrichtendienstes kapituliert bei der Eingabe von Sonderzeichen: Wer „(((„ in die Suchmaske eintippt, erhält die Fehlermeldung, dass es sich um eine „ungültige Anfrage“ handele.

Die zu anti-semitischen Zwecken verwendeten Zeichen werden massenhaft auch auf rechtsextremen Internetseiten benutzt. Die Anfeindungen richten sich vor allem gegen Personen des öffentlichen Lebens und Journalisten. Nicht ins Weltbild der Hasskommentatoren passt auch die Schauspielerin und Drehbuchautorin Amy Schumer, die für ihre pointierten feministischen Ansichten bekannt ist.

Der Journalist Jonathan Weisman schreibt in einer Kolumne, dass ihm Mitarbeiter von Twitter empfohlen haben, die anti-semitischen Nutzer zu melden und damit zu blockieren. Doch er habe sich bewusst dagegen entschieden. „Ich habe mich dazu entschlossen, die Einträge öffentlich stehen zu lassen, als eine Art Datenbank des Hasses, ein Mahnmal für das Jahr 2016“, schreibt er sinngemäß.

Weiterer Tiefpunkt der US-Debattenkultur

Aus Protest an den antisemitischen Anfeindungen setzen mittlerweile zahlreiche Twitter-Nutzer ihre eigenen Namen in drei Klammern. Sowohl im amerikanischen wie auch im deutschen Sprachraum versehen immer mehr Nutzer ihre Accounts mit den auffälligen Zeichen.

Die hasserfüllten Kommentare markieren indes auch einen weiteren Tiefpunkt in der Debattenkultur zum US-Wahlkampf: Ein besonders befremdlicher Eintrag zeigt den Eingang des Konzentrationslagers Ausschwitz. Der Spruch „Arbeit Macht Frei“ wurde in Anlehnung an Trumps Slogan „Make America Great Again“ abgewandelt in „Machen Amerika Great“.

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