Politik

Versöhnen statt spalten

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Miguel Sanches

In der CDU ist Wolfgang Schäuble der Stammesälteste. Ergreift der Finanzminister das Wort, wird man hellhörig. So war es, als er die Flüchtlingskrise mit einer „Lawine“ verglich, die losgetreten worden sei. So ist es jetzt, wenn er sich über (einseitige) Angriffe gegen die Kanzlerin mokiert: „Es sind Attacken gegen Merkel.“ Die CDU hält still, die CSU nicht. Das ärgert Schäuble. Der Zwist könnte den Wahlkampf überlagern und sich rächen. Soweit die Analyse. Und nun der Rat dazu: Einigt euch.

Wenn es so einfach wäre! Gut möglich, dass die Differenzen unüberwindbar bleiben. Vielleicht ist der beste Rat an die CSU, sich von der CDU zu lösen – mit eigenem Programm und Spitzenkandidaten, mehr Eigenständigkeit.

Die CSU ist wundgerieben. Die Kanzlerin hat sie in wichtigen Fragen überfahren. Beispiel Euro-Krise. Wir sind auf dem Weg zur Haftungsunion. Man kann es für richtig halten – die Haltung der CSU war es nicht. Beispiel Flüchtlingskrise. Als es darum ging, die Grenzen für die Migranten offenzuhalten, da wurden die Bayern nicht gefragt.

Es geht um Haltungsfragen: Europa, offene Gesellschaften. Wie sollen sich zwei Parteien nun in der Mitte treffen?

Merkel gab der CDU ein neues Gesicht. Mit ihr wurde sie liberal, weltoffen, gemäßigt. Viele Konservative sind indes heimatlos geworden. Abgänge kompensierte die CDU – zum Leidwesen erst der FDP, dann der SPD – in der Mitte. Die CSU kann damit nicht leben. Ihre absolute Mehrheit in Bayern kann sie nur mit einer breiten Spannbreite halten – bis ganz rechts.

Es ist mühseliger denn je, in der Union auf einen Nenner zu kommen, in der Rentenpolitik, im Umgang mit dem Islam, mit der Türkei. Die CSU denkt an das Votum der bayrischen Wähler, Merkel an das Urteil der Geschichte. Aus der Sicht der CSU hat die Kanzlerin die Bodenhaftung verloren, in der Flüchtlingsfrage das Land in eine Polarisierung gestürzt. Merkel wird sich längst gefragt haben, was die CSU von ihr will. Soll sie sich in den Staub werfen?

Der Streit mit ihr hat Seehofer als Leitwolf gestärkt. Das CSU-Rudel würde ihm folgen, wenn er dazu aufrufen würde, die Kanzlerin zu stützen. Versöhnen statt spalten. Kann Seehofer das?

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