Kirchdorf am Inn –

Es kommen wieder mehr Flüchtlinge über die Grenze

Polizei spürt bei Kontrollen auch mehr Schlepper auf

Kirchdorf am Inn.  Ein Dutzend Flüchtlinge sitzt am frühen Montagmorgen am Straßenrand der Bundesstraße 12 kurz hinter der bayerisch-österreichischen Grenze. Zu diesem Zeitpunkt baut die Polizei nur wenige Kilometer weiter eine Schwerpunktkontrolle auf. Der Schleuser hat wohl von der Kontrolle gewusst, die Menschen vor dem Parkplatz abgesetzt und das Weite gesucht.

„Die Schleuser kennen unsere festen Kontrollstellen. Sie setzen die Flüchtlinge dann einfach am Straßenrand aus und verschwinden“, sagt Schleierfahnder Josef Krapf. „Ich entscheide mit Fingerspitzengefühl und Erfahrung, wer kon­trolliert werden soll“, berichtet Krapf, der seit 1989 Schleierfahnder ist. Transporter mit ausländischen Kennzeichen sind verdächtig, aber auch Fahrer mit Bärten, langen Haaren und Tätowierungen bekommen oft die Polizeikelle zu sehen. Bei der Großkontrolle geht es nicht nur um illegale Einreise, sondern um Diebstähle, Terrorabwehr und das Sicherheitsgefühl für die Bürger.

Insgesamt haben die Schleusungen an der bayerisch-österreichischen Grenze einige Monate nach der Schließung der Balkanroute wieder zugenommen. Im April wurden etwa 850 nachweislich geschleuste Flüchtlinge aufgegriffen, im Januar waren es lediglich 90 geschleuste Migranten gewesen, wie die Bundespolizeidirektion München mitteilt. Seit einigen Wochen werden auch wieder mehr Schleuser erwischt. Wurden in den Monaten Januar bis März jeweils etwa 50 Schleuser festgenommen, waren es im April rund 80.

Die EU-Außengrenzen sollen wirksam geschützt werden

Insgesamt sind laut Bundespolizeidirektion in den ersten vier Monaten dieses Jahres 53.300 unerlaubte Einreisen in Bayern festgestellt worden, im gleichen Vorjahreszeitraum waren es 12.500. „Die Lage hat sich keineswegs beruhigt“, sagt Behördensprecher Thomas Borowik. Das bayerische Innenministerium erklärt, dass Personenkontrollen an den Binnengrenzen so lange fortgesetzt werden, bis ein wirksamer Schutz der EU-Außengrenzen gewährleistet ist. Und so wird jedem die Einreise verweigert, der kein Visum besitzt und Deutschland als Transitland für ein Asylbegehren in einem anderen EU-Staat nutzen will.

Der Erfolg der Großkontrolle am Montag ist überschaubar. Bis zum Mittag wird lediglich ein möglicherweise unterschlagener Anhänger registriert – von illegalen Einreisen oder gar Schleusern keine Spur.