Berlin –

Gauland: Ich bin kein Rassist

| Lesedauer: 2 Minuten

Kanzlerin verurteilt „niederträchtigen und traurigen Satz“ über Boateng

Berlin.  Die Debatte über die rassistischen Äußerungen von AfD-Vize Alexander Gauland zu Fußballspieler Jérôme Boateng geht in die Verlängerung. Nach der Provokation Gaulands folgten erst Erinnerungslücken, und nun eine Rechtfertigung – Gauland bleibt Gesprächsthema. „Ich bin natürlich kein Rassist“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Auf die Frage, ob denn Menschen, die Vorbehalte gegen ausländische Nachbarn haben, Rassisten seien, sagte der Politiker der Alternative für Deutschland: „So weit würde ich nicht gehen.“ Globalisierung und Wiedervereinigung hätten für viele Menschen Veränderungen gebracht. Deshalb reagierten einige mit einer „geradezu instinktiven Abwehr“ auf Fremde.

Gauland hatte in einem Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ mit Bezug auf Boateng gesagt: „Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.“ Der in Berlin geborene Fußballer hat eine deutsche Mutter und einen ghanaischen Vater. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte Gaulands Äußerung scharf. „Der Satz, der da gefallen ist, ist ein niederträchtiger und ein trauriger Satz“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, erklärte: „Die verbale Grenzüberschreitung Gaulands zeigt, wie nahe er der Blut-und-Boden-Ideologie der Rechtsextremen steht.“

Auch Hans-Olaf Henkel, ehemals Vize-AfD-Chef und heute EU-Abgeordneter der Allianz für Fortschritt und Aufbruch (Alfa), kritisierte Gauland scharf. „Die wahnwitzigen und rassistischen Äußerungen von Alexander Gauland sind Teil einer Strategie der AfD“, sagte Henkel dieser Redaktion. Die Eskalation bringe der Partei in den Medien kostenlose Aufmerksamkeit. „Das sind Methoden, wie sie auch Donald Trump oder die FPÖ in Österreich nutzen“, sagte Henkel. Gauland sende damit ein Signal in den extrem rechten Teil in der AfD. Die Parteichefs Frauke Petry und Jörg Meuthen würden sich gemäßigt äußern und den bürgerlichen Teil der AfD ansprechen. „Dabei spielen sie das Spiel genauso mit, drehen sich nach dem politischen Wind. Das ist heuchlerisch und opportunistisch“, sagte Henkel.

Mit Alfa wollen Henkel und AfD-Gründer Bernd Lucke nun eine neue Partei rechts der Union aufbauen – mit einer anderen Asylpolitik und anderer Euro-Politik. Bisher allerdings auch mit wenig Erfolg.

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