Berlin –

Große Gesten und Worte der deutschen Nachkriegsgeschichte

| Lesedauer: 3 Minuten
Michael Backfisch

Bilder vom sozialistischen Bruderkuss, von der Berliner Reagan-Rede oder Brandts Kniefall haben sich ins kollektive Gedächtnis eingegraben

Berlin. Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. Das gilt umso mehr für Fotos, die über sich selbst hinausweisen und einen besonderen historischen Moment festhalten. Sie haben eine eigene Symbolwirkung und werden selbst zu Geschichte. Der Handschlag zwischen Bundeskanzler Helmut Kohl und Frankreichs Präsident François Mitterrand bei Verdun am 22. September 1984 gehört dazu. Nur wenige Gesten oder Worte der Nachkriegsgeschichte sind derart tief im kollektiven Gedächtnis der Deutschen verankert. Hier einige Beispiele:

26. Juni 1963: „Ich bin ein Berliner.“ Mit diesen Worten versichert US-Präsident John F. Kennedy den West-Berlinern zwei Jahre nach dem Mauerbau die Solidarität der USA. Es war die Zeit des Kalten Krieges, in denen Ost und West am Rand eines Atomkrieges standen. Vor dem Schöneberger Rathaus wird Kennedy für sein Bekenntnis von Hunderttausenden bejubelt.

7. Dezember 1970: Der Kniefall von Warschau. Bundeskanzler Willy Brandt kniet am Ehrenmal für die Toten des Warschauer Gettos nieder und verneigt sich damit tief vor allen Opfern des Nazi-Regimes. Im Jahr 2000 wird dieser Geste nur 150 Meter von dem Ehrenmal entfernt selbst ein Denkmal gesetzt. Brandt legt mit seinem Kniefall den Grundstein für die deutsch-polnische Aussöhnung. Am selben Tag unterzeichnet der Kanzler den Warschauer Vertrag, in dem die Bundesrepublik die Oder-Neiße-Linie als Westgrenze Polens anerkennt.

7. Oktober 1979: Sozialistischer Bruderkuss. Leonid Breschnew und Erich Honecker, die Staats- und Parteichefs der Sowjetunion und der DDR, demonstrieren anlässlich des 30. Geburtstags der DDR bei den Feierlichkeiten in Ost-Berlin Einigkeit. Der Bruderkuss bedeutete mehr als das Händeschütteln anderer Staatsmänner. Er sollte die besondere Verbundenheit zwischen den sozialistischen Staaten ausdrücken. Der Bruderkuss landet nach dem Zusammenbruch der DDR als Kunstwerk und Touristenattraktion auf dem bekanntesten Mauerrest Berlins, der sogenannten East Side Gallery.


22. September 1984: Händedruck von Verdun. Bundeskanzler Helmut Kohl und der französische Präsident François Mitterrand besuchen gemeinsam den Ort einer der grausamsten Schlachten der Kriegsgeschichte und reichen sich über den Gräbern die Hand. Es ist die bedeutendste Versöhnungsgeste zwischen den einstigen Erzfeinden Deutschland und Frankreich überhaupt.

12. Juni 1987: „Mr. Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder!“ US-Präsident Ronald Reagan hält an der West-Seite des Brandenburger Tores, nur wenige Meter von der Berliner Mauer entfernt, seine bedeutendste Rede: „Mr. Gorbatschow, öffnen Sie dieses Tor. Mr. Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder!“, ruft er dem sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow zu. Zweieinhalb Jahre später fällt die Mauer. In den USA gelten Reagans harte Linie gegenüber Moskau und sein Hochrüstungskurs als Hauptgrund für den Zusammenbruch der Sowjetunion.

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