Magdeburg/Berlin –

Linke streitet über Rot-Rot-Grün

Alexander Kohnen

Gysi will gemeinsamen Kandidaten für Amt des Bundespräsidenten

Magdeburg/Berlin. Bei der Linken ist der Streit über die strategische Ausrichtung offen ausgebrochen. Der ehemalige Fraktionschef Gregor Gysi, der nicht zum Parteitag kam, weil er nicht reden durfte, sagte dieser Zeitung: „Wenn Herr Gauck nicht wieder anträte, sollten SPD, Linke und Grüne einen gemeinsamen Bundespräsidentschaftskandidaten oder eine Kandidatin vorschlagen.“ Deutschland könne österreichische Verhältnisse überhaupt nicht gebrauchen, sagte Gysi mit Blick auf das Erstarken der AfD. In Österreich hatte der Grüne Alexander Van der Bellen die Wahl zum Bundespräsidenten nur knapp gegen den Rechtspopulisten Norbert Hofer von der FPÖ gewonnen. Zuvor hatte Gysi bereits einen rot-rot-grünen Kanzlerkandidaten vorgeschlagen.

Sahra Wagenknecht erteilte diesen Ideen in ihrer Rede auf dem Bundesparteitag in Magdeburg eine Absage. „Das sind absurde Vorschläge“, sagte sie. „Wenn der SPD-Vorsitzende Jeremy Corbyn oder Bernie Sanders heißen würde, wäre ein gemeinsamer Kanzlerkandidat eine tolle Idee“, sagte sie mit Blick auf Großbritannien und die USA. „Aber wir können uns die SPD nicht backen. Sie ist, wie sie ist.“

Wagenknecht plädierte für Eigenständigkeit – und will die Linke als „Stimme des Protestes“ etablieren. Einen Weg zu einer rot-rot-grünen Koalition sieht sie nicht. „Wir haben der SPD immer angeboten, dass wir mit ihr zusammenarbeiten, um den Sozialstaat wiederherzustellen, um mehr soziale Gerechtigkeit herbeizuführen“, sagte Wagenknecht.

Der Richtungsstreit spaltet auch die Fraktionsführung. Die Reformer um Co-Fraktionschef Dietmar Bartsch wollen lieber heute als morgen zusammen mit SPD und Grünen regieren. Die Parteilinke um Wagenknecht setzt auf fundamentale Opposition.

( ak )

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