Machthaber

Tante von Kim Jong Un betreibt Reinigungsfirma in den USA

Vor 18 Jahren ist die Tante von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un in die USA geflüchtet – für die CIA ein Glücksfall, der keiner war.

Herrscher unter Apfelbäumen: Regimetreue Zeitungen inszenieren Kim Jong Un gerne als locker-lächelnden Landesvater, wie dieses Bild aus der Partei-Tageszeitung „Rodong Sinmun“ beweist. Über seine Kindheit hat jetzt seine Tante in den USA geplaudert.

Herrscher unter Apfelbäumen: Regimetreue Zeitungen inszenieren Kim Jong Un gerne als locker-lächelnden Landesvater, wie dieses Bild aus der Partei-Tageszeitung „Rodong Sinmun“ beweist. Über seine Kindheit hat jetzt seine Tante in den USA geplaudert.

Foto: Rodong Sinmun / dpa

Washington.  Die Tante von Nordkoreas Diktator Kim Jong Un lebt offenbar unter falschem Namen in den USA. Ko Yong-suk, die weder ihr Gesicht zeigen noch ihren neuen amerikanischen Namen nennen will, habe sich vor 18 Jahren nach Amerika abgesetzt. Dort lebt sie mit ihren drei Kindern und ihrem Mann Ri Gang ein paar Autostunden von New York entfernt, wie die „Washington Post“ berichtet. Das Blatt besuchte die 60-Jährige in ihrem eigenen Laden, einer Reinigungsfirma.

Kim Jong Un sei so alt wie ihr eigener Sohn. Als Baby habe sie ihm die Windeln gewechselt, sagt sie, die Schwester von Kims früh an Krebs verstorbener Mutter. Später sei er ein großer Basketball-Fan gewesen, der von einer Sportlerkarriere träumte – für Basketball jedoch viel zu klein gewesen sei. Seine Mutter soll ihn damit getröstet haben, dass er automatisch größer werde, wenn er weiterhin Basketball spiele, erzählt Ko Yong-suk.

Kim Jong Un trat als Kind in den Hungerstreik

Sie berichtet über die Kindheit des heutigen Machthabers von Nordkorea. Gemeinsam seien sie im Disneyland in Paris gewesen, besuchten Italien, fuhren Ski in den Schweizer Alpen oder schwammen im azurblauen Wasser der Französischen Riviera, wie zahlreiche Fotos aus jener Zeit dokumentieren. Kim sei zwar kein Krawallmacher gewesen. Aber wenn er etwas wollte, dann hatte er seine eigene Art, seinen Willen durchzusetzen. „Wenn ihn seine Mutter gebeten hat, nicht mehr mit seinen Spielsachen zu spielen und stattdessen etwas zu lernen, hat er nicht widersprochen. Er protestierte auf andere Weise, etwa, indem er in Hungerstreik trat“, sagt Ko Yong-suk zur „Washington Post“.

Dabei sei sein Weg schon als Kind vorgezeichnet gewesen, berichtet sie. Zu seinem achten Geburtstag habe er von seinen Eltern eine Uniform geschenkt bekommen – dekoriert mit ehrenvollen Sternen. Seit diesem Tag an wurde Kim von echten Generälen mit richtigen Sternen mit einer Verbeugung begrüßt – für die Tante ein Schlüsselmoment. „Es war unmöglich für ihn, als normaler Mensch aufzuwachsen, wenn ihn alle auf diese Weise behandelten“, sagt sie.

Weil die Mutter von Kim an Brustkrebs erkrankte und sich ihr Zustand stetig verschlimmerte, wuchs die Sorge bei Ko Yong-suk und ihrem Mann Ri Gang darüber, was mit ihnen nach ihrem Tod passieren würde. Schließlich war ihre Schwester die einzige Verbindung zur Machthaberfamilie, die somit nicht mehr vorhanden gewesen wäre. Die beiden entschlossen sich dazu, Nordkorea mit ihren Kindern zu verlassen. Sie suchten Asyl in Amerika.

CIA bezahlte den Kaufpreis ihres Hauses

Für die US-Geheimdienste schien ihre Flucht wie ein Glücksfall. Die CIA soll ihnen sogar 200.000 Dollar gegeben haben, damit sie sich ihr Haus, in dem sie bis heute leben, kaufen konnten. Immer wieder hatten sich die US-Sicherheitsbehörden um Informationen über die innere Struktur des nordkoreanischen Regimes bemüht – doch keine der Quellen erwies sich bis dahin als verifizierbar und verlässlich. Die in Kims Tante und seinen Onkel gesetzte Hoffnung war vergebens. „Sie dachten, dass wir irgendwelche Geheimnisse wissen, aber wir wussten nichts“, sagt Ri, der zuvor nordkoreanischer Diplomat war: „Wir wussten nichts von irgendwelchen Nuklear- oder Militärgeheimnissen.“

Er könne sich vorstellen, eines Tages nach Nordkorea zurückzugehen, um zwischen dem Regime und den ausländischen Mächten zu vermitteln. „Ich verstehe die USA, und ich verstehe Nordkorea“, sagt er zur „Washington Post“. (mit dpa)