Rom –

Neue Tragödie vor Libyen – mehr als 20 Tote befürchtet

Rom.  Bei einem neuen Bootsunglück im Mittelmeer sind nach EU-Angaben vom Donnerstag möglicherweise zwischen 20 und 30 Flüchtlinge ums Leben gekommen. Ein Kutter kenterte 35 Seemeilen vor der libyschen Küste, die EU-Mission Eunavfor Med rettete nach eigenen Angaben aus Rom 77 Menschen an der Unglücksstelle. Die gegen Schlepperkriminalität im südlichen Mittelmeer gerichtete EU-Mission veröffentlichte ein während der Rettungsaktion aus der Luft aufgenommenes Foto von dem unter der Wasseroberfläche liegenden Kutter mit rund 50 Menschen an Bord. Rund 560 am Vortag vor der libyschen Küste gerettete Flüchtlinge brachte ein Schiff der italienischen Küstenwache in den Hafen von Porto Empedocle bei Agrigent. Nach der Bergung von fünf Leichen an der Stelle, an der ihr Kutter gekentert war, wurden offenbar keine weiteren Todesopfer entdeckt.

Italien rechnet infolge der Schließung der Balkanroute und des EU-Türkei-Abkommens in diesem Jahr mit einem rapiden Anstieg des Zustroms. In den vergangenen Tagen machten sich wegen guter Wetterbedingungen von der libyschen Küste aus mehr Boote als zuvor auf den Weg nach Italien. Libyen, das seit dem Sturz von Machthaber Muammar Gaddafi 2011 im Chaos versunken ist, ist zum Tor vieler afrikanischer Migranten nach Europa geworden. Rivalisierende Regierungen kontrollierten bis zuletzt jeweils den Osten und Westen des Landes

Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) sind in den ersten fünf Monaten des Jahres mehr als 190.000 Menschen über das Mittelmeer geflohen. Davon knapp 156.000 nach Griechenland und 34.000 nach Italien. 1375 Menschen gelten als vermisst oder tot.

AfD: Christliche Kirchenprofitieren von der Zuwanderung

Vertreter der AfD verschärfen unterdessen in Deutschland den Ton gegen die großen christlichen Kirchen. Das Engagement von katholischer und evangelischer Kirche für die Flüchtlinge sei von wirtschaftlichen Interessen bestimmt, schreibt der bayerische AfD-Vorsitzende Petr Bystron in der „Huffington Post“. Die Amtskirchen verdienten über ihre Wohlfahrtsverbände „alleine an der Flüchtlingskrise mehrere Milliarden Euro pro Jahr“. Deshalb hätten die Kirchen „aus kommerziellen Gründen“ ein „massives Interesse“ an weiterer Zuwanderung: „Die vordergründig propagierte Flüchtlingsfreundlichkeit finanziert nämlich eine gigantische Wohlfahrtsindustrie unter dem organisatorischen Dach der Kirchen“, schrieb Bystron.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) wies die Vorwürfe zurück. „Die christlichen Kirchen in Deutschland haben kurzfristig einen zusätzlichen, dreistelligen Millionenbetrag für die Flüchtlingshilfe zur Verfügung gestellt. Angesichts dieses Kraftakts und des ehrenamtlichen Engagements vieler Hunderttausend Menschen in den Kirchen entbehrt eine solche Äußerung jeglicher Grundlage“, erklärte ein EKD-Sprecher.

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