London –

Johnson vergleicht EU mit Hitler und Napoleon

| Lesedauer: 2 Minuten
Jochen Wittmann

In der Brexit-Debatte werden die Töne sehr viel schriller

London.  Man muss nur Hitler ins Spiel bringen, dann hören alle zu. Boris Johnson, der Ex-Bürgermeister von London und die Galionsfigur des Brexit-Lagers, hat Öl ins Feuer der Debatte über Großbritanniens Verbleib in der Europäischen Union gegossen. Die EU, sagte er in einem Interview, strebe einen Superstaat an, der Europa unter seine Herrschaft bringen will: „Napoleon, Hitler, verschiedene Leute haben das versucht, und es endet immer tragisch. Die EU ist ein Versuch, dies mit einer anderen Methode zu erreichen“. Mit dem Aufschrei, der folgte, hatte der Politiker, der sich Hoffnungen macht, David Cameron als Premier zu beerben, erreicht, was er wollte: Alle reden über ihn.

Johnsons Hitler-Vergleich ist aber auch ein gezieltes Fischen am chauvinistischen Rand. Er nimmt ein Argument auf, das britische Hardline-Euroskeptiker schon seit gut drei Jahrzehnten anführen: Dass die EU dort weitermache, wo Hitler aufhörte und dass die Union dazu führen werde, dass Deutschland ganz Europa dominiert. Auf diese Denkfigur spielt Johnson an, als er sagte: „Der Euro ist das Mittel geworden, durch den eine überlegene deutsche Produktivität in der Lage ist, einen absolut unschlagbaren Vorteil über die ganze Eurozone zu gewinnen.“

Es sind steile Argumente, die Johnson bietet, aber da steht er nicht allein. „Der Niedergang von Überspitzung zu Hysterie“, drückte es der „Guardian“ am Montag aus, „war ungewöhnlich steil in der letzten Woche“. Tatsächlich verstärken sich die dissonanten Töne. Da wird oft nicht der Ball, sondern der Gegner gespielt. Johnson wurde als „Apologet für Präsident Putin“ vom ehemaligen Außenminister Jack Straw bezeichnet. Die Brexit-Fans seien Extremisten, steuerte Labours Alan Johnson bei. Cameron deutete an, dass ein Brexit die Sicherheit und Friedensordnung auf dem Kontinent gefährden könne. Bis zum Wahltag am 23. Juni kommt noch einiges auf die Briten zu. Meinungsforscher sehen ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

( wit )

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