Präsidentschaftswahl

US-Medien: „Trump ist besessen vom Aussehen von Frauen“

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Donald Trump hat ein Problem mit Frauen – das ist nicht neu.

Donald Trump hat ein Problem mit Frauen – das ist nicht neu.

Foto: JAKE PARRISH / REUTERS

Neues Futter im US-Wahlkampf: Nach jüngsten Berichten soll Donald Trump geradezu besessen gewesen sein vom Aussehen der Frauen um ihn.

Washington.  Dass sich Donald Trump gern mit Schönheiten umgibt, weiß und sieht man. „Ich schätze Frauen. Keiner schätzt Frauen wie ich. Frauen schätzen mich, weil ich sie schätze.“ Nach wiederholten Tritten in Fettnäpfchen wird der voraussichtliche republikanische US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump nicht müde, dem anderen Geschlecht seinen Respekt zu bekunden.

Tatsächlich schien sich die Aufregung über herablassende Äußerungen des Multimilliardärs im Wahlkampf über Frauen gelegt zu haben. Etwa über das „fette Schwein“ Rosie O’Donnell (eine Schauspielerin), über das Gesicht von Carly Fiorina (eine Ex-Rivalin) und über die Hormone von Megyn Kelly (eine Fernsehmoderatorin). Doch nun sorgt Trumps Verhältnis zu den Frauen wieder für Schlagzeilen. Und das ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, da „The Donald“ bemüht ist, Gegner in der eigenen Partei für seine Kandidatur zu erwärmen.

„Unwillkommene Annäherungsversuche“ und „beunruhigendes Verhalten“

„Überschreiten der Linie – Wie sich Donald Trump privat gegenüber Frauen verhalten hat“, überschrieb die „New York Times“ am Wochenende einen ausführlichen Bericht mit Interviews. Diese beschreiben der Zeitung zufolge „unwillkommene Annäherungsversuche“ und ein „beunruhigendes Verhalten“ des Immobilienmoguls am Arbeitsplatz über Jahrzehnte hinweg.

Nur einen Tag vor dem Bericht der „New York Times“ hatte die Veröffentlichung eines 25 Jahre alten Tonbandes Wirbel erzeugt. Darauf erzählt ein John Miller, angeblich Trumps Pressesprecher, einer Reporterin freimütig und ausführlich, wie das Liebesleben des Unternehmers aussieht – etwa, dass dieser neben seiner damaligen Beziehung zum Model Marla Maples noch mehrere andere Freundinnen habe. Seit gut zehn Jahren ist Trump mit Melania verheiratet.

Trump soll sich als sein eigener Sprecher ausgegeben haben

Die Interviewerin, viele Medien und Experten sind sich sicher: Mr. Miller war in Wahrheit Donald Trump, der sich als sein eigener PR-Mann ausgab, um mit seinen Affären zu prahlen. Der Ton, der Rhythmus, der Inhalt – „ausgeprägt trumpisch“, schrieb etwa die „Washington Post“.

Trump soll mehr als nur einmal als sein eigener Sprecher aufgetreten sein, um ungeniert schildern zu können, wie toll er doch sei – und seine Aliasse früher auch selber einmal zugegeben haben.

Auch die „New York Times“ kommt in ihrem Bericht zu dem Schluss, dass Trump in Sachen Frauen nicht zum Schweigen neigt. Demnach war „Mr. Trump nicht nur auf das Aussehen der Frauen in seiner Umgebung fixiert. Er hatte auch den schon fast zwanghaften Drang, darüber zu sprechen.“

Ständige Kommentare über die Figur von Frauen

In der Trump Organization, die seine verschiedenen Firmen managt, soll er geschäftliche Routinegespräche wiederholt mit Kommentaren über weibliche Figuren unterbrochen haben. Und vor allem Models machten nach Angaben der Zeitung wiederholt intimere Bekanntschaft mit Trump als sie wollten.

Die Zeitung spricht aber auch von einem „komplexen, teilweise widersprüchlichen Porträt“, das in den Interviews zutagetreten sei – das eines reichen, provozierenden Mannes, den man nicht in eine einzelne Schublade packen könne. Manche Frauen hätten ihn auch großzügig, mutmachend gefunden.

Und in seinem Unternehmen Karriere gemacht: Trump habe sich beim Aufbau seines Imperiums auf eine Reihe Frauen gestützt, in dem Wissen, dass sie hart arbeiteten, oft härter als Männer. Mehreren habe er große Verantwortung übertragen: „Er beförderte sie zu den höchsten Höhen seines Unternehmens, zur damaligen Zeit ein mutiger Zug für einen größeren Immobilienunternehmer.“

Trump will Clinton mit Frauen-Themen in die Parade fahren

Und nun, im Wahlkampf, hofft Trump darauf, dass ihm Amerikas Frauen glauben, wenn er verspricht: „Ich werde so gut zu Frauen sein.“ Frauen sind das größte Wählerreservoir im Land, und dazu wird es Trump bei der Wahl im November höchstwahrscheinlich auch noch mit einer von ihnen als Rivalin zu tun haben: Hillary Clinton, die alles tut, um sich als erste Ansprechpartnerin für die Belange ihrer Geschlechtsgenossinnen zu präsentieren.

Just als das Tonband an die Öffentlichkeit kam, glaubte Trump wohl, dass er einen guten Dreh gefunden habe, um Clinton in die Parade zu fahren. Er brachte mutmaßliche frühere Frauengeschichten ihres Mannes Bill ins Spiel, so auch die Lewinsky-Affäre, die sich im Weißen Haus abspielte. Hillary Clinton, so Trump, habe die Frauen, die Bills Fehltritte enthüllt hätten, schlecht behandelt und damit das Verhalten ihres Mannes begünstigt.

Dass so etwas bei den meisten Wählerinnen gut ankommt, war von vornherein zweifelhaft. Nach den neuen Berichten wohl noch mehr. (dpa)

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