Terror

Brüsseler U-Bahn-Netz sollte vor Anschlag gesperrt werden

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Nach den Anschlägen wurden in Gedenken an die Opfer an der Brüsseler U-Bahnstation Malbeek unzählige Blumen abgelegt. Ein Selbstmordattentäter riss hier am 22. März 2016 16 Menschen mit in den Tod.

Nach den Anschlägen wurden in Gedenken an die Opfer an der Brüsseler U-Bahnstation Malbeek unzählige Blumen abgelegt. Ein Selbstmordattentäter riss hier am 22. März 2016 16 Menschen mit in den Tod.

Foto: imago stock&people / imago/Reichwein

Minuten vor dem Anschlag auf die Station Malbeek sollte das Brüsseler U-Bahn-Netz gesperrt werden. Verhindert hätte das wohl nichts.

Brüssel.  Rund zwei Monate nach den Terroranschlägen von Brüssel ist eine weitere Panne der Sicherheitsbehörden bekannt geworden. Laut belgischen Medienberichten hat der Chef der Bahnpolizei die Aufforderung zur Sperrung des U-Bahn-Netzes nach dem Bombenanschlag am Flughafen an seine private E-Mail-Adresse bekommen. Wie die belgische Zeitung „De Standaard“ berichtet, habe die Polizeizentrale am 22. März um 9.07 Uhr eine Anweisung zur Stilllegung und Evakuierung aller U-Bahnhöfe an Jo Decuyper gesendet – nur vier Minuten, bevor sich ein Selbstmordattentäter in der Station Malbeek in die Luft sprengte.

„Selbst wenn ich einen Knopf hätte, mit dem ich alles sofort stilllegen und evakuieren könnte, wäre das unvermeidbar gewesen“, sagte Decuyper laut dem Blatt vor dem Untersuchungsausschuss des belgischen Parlaments. Weil eine Evakuierung des gesamten Brüsseler U-Bahnnetzes mindestens 30 Minuten dauern würde, hätte der Anschlag auf die Station Malbeek auch dann nicht verhindert werden können, wenn die E-Mail an Decuypers berufliches Konto gesendet worden wäre und er sie sofort gesehen hätte. Unklar ist, warum die Aufforderung zur Stilllegung des U-Bahn-Netzes erst eine Stunde nach den Anschlägen auf den Flughafen Zaventem herausging.

Decuyper: Stilllegung des U-Bahn-Netzes schwierige Entscheidung

Decuyper sagte laut „De Standaard“ vor dem Untersuchungsausschuss, dass die Evakuierung des U-Bahn-Netzes eine schwierige Entscheidung sei. Schließlich habe man sich auch bei den Anschlägen von Paris am 13. November 2015 nicht dazu entschieden, sagte Decuyper.

Die E-Mail-Panne ist nicht der einzige Fehler, der den Sicherheitsbehördern unterlief. Schon nach den Teroranschlägen von Paris war bekannt geworden, dass die Planung dafür aus dem Brüsseler Problemviertel Molenbeek gesteuert wurde. Zudem wurden die der Polizei bekannten Abdeslam-Brüder wegen Personalmangels nicht besser überwacht.

Bei den Anschlägen in Paris töteten islamistische Attentäter 130 Menschen, in Brüssel starben am 22. März bei den Bombenexplosionen am Flughafen und in der U-Bahn 32 Menschen. (bk)

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