Medienbericht

Polizei-Videos offenbaren Chaos der Kölner Silvesternacht

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Auf dem Kölner Domplatz wurden in der Silvesternacht etliche Frauen sexuell belästigt und bestohlen.

Auf dem Kölner Domplatz wurden in der Silvesternacht etliche Frauen sexuell belästigt und bestohlen.

Foto: Markus Boehm / dpa

Dem WDR liegen interne Videos der Kölner Polizei vor. Sie sollen zeigen, wie dramatisch es in der Silvesternacht tatsächlich zuging.

Köln.  Der Polizeieinsatz in der Silvesternacht vor dem Kölner Hauptbahnhof verlief einem WDR-Bericht dramatischer als bisher bekannt. Bislang unter Verschluss gehaltene Polizei-Videos offenbarten, wie riskant die Räumung des Bahnhofsvorplatzes mit nur rund 80 Bereitschaftspolizisten war, berichtet das WDR-Magazin „Westpol“, dem das Videomaterial vorliegt. Die Sendung wird am Sonntagabend ausgestrahlt (WDR, 19.30 Uhr). So zeigten die Filme, wie der Polizeieinsatz am 31. Dezember 2015 kurz vor Mitternacht mehrfach ins Stocken geraten sei. Am entscheidenden oberen Ende der Domtreppe hätten letztlich nur eine Handvoll Beamte einer dicht gedrängten Masse von Leuten gegenübergestanden.

In den Polizei-Videos ist laut „Westpol“ weiter zu sehen, wie es zu Schlägereien und Tumulten kommt. Eine junge Frau beschwert sich lautstark darüber, von Männern „angefasst“ zu werden. Immer wieder durchbrechen Personen problemlos die Polizeisperre und laufen auf den Bahnhofsvorplatz. Anders als bislang bekannt, blieb demnach eine der Haupteingangs-Türen des Bahnhofes während der Räumung offen. Das hatte zur Folge, dass bereits kurz nach Ende der Räumung gegen 00.15 Uhr der Platz wieder dicht gefüllt war, wie es hieß.

Scharfe Einsatzkritik von Polizei-Dozent

Der ehemalige Hagener Polizeidirektor und Dozent für Einsatzlehre, Bernd Liedtke, kritisiere den Einsatz scharf. „Aus meiner Sicht ist die Lage vollkommen falsch beurteilt worden“, sagte er dem WDR-Magazin. Das betreffe sowohl die Planung als auch die Entscheidungen der leitenden Einsatzkräfte vor Ort. „Die Kollegen vor Ort waren überfordert und in großen Teilen sogar persönlich gefährdet“, beurteilte Liedtke die Situation.

„Westpol“ verwies hier auf eines der internen Polizei-Videos, in dem sich Einsatzkräfte selbst verärgert äußern, dass die Räumung nicht reibungslos funktioniert. Auch der Einsatzleiter lässt durchgeben, die notwendige Polizeisperre am linken Ende der Domtreppe könne man einfach „mit zwei Mann nicht halten.“ Dagegen hatte er vor dem Untersuchungsausschuss im Düsseldorfer Landtag ausgesagt, die Räumung sei mit den vorhandenen Kräften machbar gewesen, erklärte „Westpol“.

Mehr als 1000 Anzeigen gingen ein

In der Silvesternacht hatten am Kölner Hauptbahnhof Gruppen junger Männer vor allem aus dem nordafrikanischen und arabischen Raum zahlreiche Frauen sexuell belästigt und bestohlen. Bei der Staatsanwaltschaft Köln gingen über tausend Anzeigen ein. Bislang wurde keiner der Täter verurteilt. Die erste Anklage wegen versuchter sexueller Nötigung blieb am Freitag vor dem Amtsgericht Köln erfolglos, weil das Opfer den Angeklagten nicht als Täter wiedererkannte. (epd)

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