Ehrung

Papst Franziskus nimmt den Aachener Karlspreis entgegen

Für die Verdienste um Europa wird Papst Franziskus mit dem Karlspreis ausgezeichnet. Der Zeremonie wohnen zahlreiche Würdenträger bei.

Im Apostolischen Palast im Vatikan nimmt Papst Franziskus den Karlspreis entgegen.

Im Apostolischen Palast im Vatikan nimmt Papst Franziskus den Karlspreis entgegen.

Foto: Oliver Berg / dpa

Rom.  Papst Franziskus hat in Rom den Karlspreis entgegengenommen. In einer eindringlichen Rede forderte er Europa dazu auf, sich an seine Gründerväter und deren Ideale zu erinnern. „Sie hatten die Kühnheit, nicht nur von der Idee Europa zu träumen, sondern wagten, die Modelle, die bloß Gewalt und Zerstörung hervorbrachten, radikal zu verändern“, sagte das Kirchenoberhaupt am Freitag nach der Verleihung des Karlspreises im Apostolischen Palast.

„Die Pläne der Gründerväter, jener Herolde des Friedens und Propheten der Zukunft, sind nicht überholt: Heute mehr denn je regen sie an, Brücken zu bauen und Mauern einzureißen“, betonte Franziskus. Die Gründerväter hätten sich nicht „mit kosmetischen Überarbeitungen oder gewundenen Kompromissen zur Verbesserung mancher Verträge“ zufrieden gegeben, sondern mutig neue, tief verwurzelte Fundamente gelegt, so der Papst.

Franziskus ruft die Werte Europas ins Gedächnis

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker dankte dem katholischen Würdenträger in seiner Rede dafür, dass dieser als Mahner Europa ins Gewissen rede. Immer wieder rufe er die ursprünglichen Werte Europas ins Gedächtnis. Das Kirchenoberhaupt erinnere daran, dass die Europäer ihre Verantwortung und gewaltiges Potenzial besser ausschöpfen könnten und müssten – für Flüchtlinge, für soziale Gerechtigkeit, für den Ausgleich zwischen Menschen und Völkern, erklärte Juncker am Freitag bei der feierlichen Zeremonie im Apostolischen Palast. Franziskus lebe vor, dass Solidarität und Nächstenliebe nicht nur wohlklingende Worte seien, sondern Werte, die immer wieder aufs Neue zu Haltung und Handeln verpflichteten.

Kurz vor der Verleihung des Karlspreises an Papst Franziskus hat das Kirchenoberhaupt Bundeskanzlerin Angela Merkel zu einer Privataudienz empfangen. Die protestantische CDU-Vorsitzende und der Argentinier trafen am Freitag mit etwa 15 Minuten Verspätung im Vatikan zusammen. Es wurde erwartet, dass die beiden sich auch über die Lage Europas und Themen wie die Flüchtlingskrise austauschen.

Der Vorjahrespreisträger Schulz würdigte Franziskus vor der Preisverleihung als „großen Europäer“. Als Kind italienischer Einwanderer in Argentinien habe er eine andere Welt kennengelernt „als die privilegierte, in der wir Europäer leben“, sagte Schulz in einem Interview von Radio Vatikan. Er erinnere die Bürger immer wieder daran, wie dankbar sie sein müssten für „diese großartige Welt, in der wir in Europa leben dürfen“.

Kirchenvertreter kritisieren die EU

Anders äußerten sich verschiedene Kirchenvertreter, die sich anlässlich der Vergabe des Karlspreises an die Öffentlichkeit wandten und den Zustand der Europäischen Union beklagten. Der scheidende Mainzer Bischof Karl Lehmann kritisierte „Kleinmut und Ängstlichkeit“.

Die Reformationsbotschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, verlangte mehr Solidarität innerhalb der EU. Mitgliedschaft in der EU bedeute auch, für Menschen in Not da zu sein, sagte die Theologin am Freitag im Deutschlandfunk. Das Sterben der Flüchtlinge sei nicht hinzunehmen. Insbesondere kritisierte sie die zögerliche Aufnahme von Flüchtlingen in osteuropäischen Staaten.

Der Papst der Armen und Geflüchteten

Das Karlspreisdirektorium hatte Ende Dezember bekanntgegeben, dass Franziskus die renommierte Auszeichnung erhalten soll. Er ist der erste Papst, der den Preis regulär erhält. Seinem Vor-Vorgänger Johannes Paul II. wurde 2004 ein Außerordentlicher Karlspreis für sein Lebenswerk verliehen. Franziskus gelinge es, den Menschen in Europa in einer schwierigen Zeit Orientierung und Hoffnung zu geben, heißt es in der Begründung der Entscheidung des Karlspreisdirektoriums. Außerdem setze der Papst ein Zeichen für „Frieden und Verständigung, für Barmherzigkeit, Toleranz, Solidarität und die Bewahrung der Schöpfung“.

Der in Buenos Aires geborene Franziskus hatte im November 2014 eine viel beachtete Rede vor dem Europaparlament gehalten und darin für ein gemeinsames Europa plädiert, das sich nicht nur um die Wirtschaft dreht, sondern vor allem solidarisch mit Armen und Alten ist. Zudem forderte er eine gemeinsame Politik zur Rettung der Migranten im Mittelmeer. Erst im April hatte Franziskus die griechische Insel Lesbos besucht und die internationale Gemeinschaft eindringlich dazu aufgerufen, mit Menschlichkeit auf die Flüchtlingskrise zu reagieren. Dies gelte besonders für die Europäer, mahnte er. (dpa/epd/JS)