Politik

Flügellahmer Bussard

Das Projekt A400M ist ein Abenteuer. Für Airbus ist der Militärtransporter ein Offenbarungseid. Weil es schon wieder neue Probleme gibt, kann man gut verstehen, dass der Verteidigungsausschuss Klarheit anmahnt und dass sein Vorsitzender sogar den GAU an die Wand malt: die Stornierung des Auftrags.

Dazu wird es im Bundestag nicht kommen. Es gilt dieselbe Logik wie bei anderen missratenen Projekten: Durchhalten, was sonst? Zu viel hängt daran, Geld des Steuerzahlers, politisches Prestige, militärische Fähigkeiten. Ganz abgesehen davon, dass nicht das Parlament der Auftraggeber ist. Es liegt in der Verantwortung von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, das Flugzeug zu präsentieren, das bestellt wurde. Man muss sich einmal auf der Zunge zergehen lassen, was der Airbus-Chef erklärt hat: „Zurzeit gibt es keinen ausreichenden Überblick über die technischen, kommerziellen und industriellen Konsequenzen.“ Aus dem Satz spricht die pure Ratlosigkeit.

Wenn man heute nach Lehren fragt, drängen sich zwei auf. Die Militärs sollten ihre Unart ablegen, ständig nach Lösungen mit „Goldrand“ zu rufen. Die Fähigkeitsanforderungen an den Militärtransporter waren enorm – er sollte alles können, viel mehr als eine Last von A nach B zu fliegen. Und: Der Zuschlag für Airbus war eine industriepolitische Entscheidung. Es ging um Europa, um Standorte und Arbeitsplätze.

Längst ist der A400M für alle Beteiligten ein Verlustgeschäft, definitiv für den Steuerzahler, buchstäblich für Airbus. Ob der Hersteller jemals mit diesem Flieger in die Gewinnzone kommen wird? Nicht zuletzt für die Militärs. Die Transall ist gut 60 Jahre alt und wird 2021 aus dem Verkehr gezogen. Wenn Airbus nicht liefern kann, dann droht der Bundeswehr eine Fähigkeitslücke.

Not macht erfinderisch. Der Plan, der in der Bundesregierung und in der Politik heranreift, nämlich sich mit der amerikanischen C130 Herkules einen zusätzlichen Militärtransporter zu beschaffen, ist jedenfalls keine Alternative zum A400M. C-130 ist eine kleinere Maschine. Man kann aus einer Biene keinen Bussard machen. Seite 4