Politik

Fast friedlich in Berlin

Endlich: Der 1. Mai in Berlin ist in diesem Jahr so friedlich verlaufen wie seit vielen Jahren nicht mehr. Zwar wurden nach den Stein- und Flaschenwürfen am Ende der sogenannten revolutionären 1. Mai-Demonstration dann doch wieder 59 Polizisten verletzt, also 20 mehr als im Jahr zuvor, aber insgesamt verliefen der Tag und die Autonomen-Demonstrationen sehr viel besser als in all den 29 Jahren zuvor. 1987, ja so lange ist das schon her, war zum ersten Mal eine Maifeier in Kreuzberg eskaliert, es kam zu heftigen Ausschreitungen, sehr viele Polizisten wurden verletzt, zum Schluss brannte ein Supermarkt. Und dann ging es jedes Jahr so, Berlin wurde zum Synonym für Ausschreitungen am 1. Mai – erst in den vergangenen drei Jahren nahmen die Randale merklich ab.

Über den fast friedlichen 1. Mai dürfen sich Innensenator Frank Henkel (CDU) und Polizeipräsident Klaus Kandt zu Recht freuen. Ihr Einsatzkonzept ist aufgegangen. Es waren ausreichend Polizisten vor Ort und an den richtigen Punkten – insgesamt 6091, auch aus anderen Bundesländern. Die Beamten haben sich zurückgehalten, so auch, als mehrere hundert Linksautonome in einer Spontandemonstration durch das Myfest liefen, obwohl genau das vom Gericht untersagt worden war. Die Polizei erfüllte auch den Wunsch der Demonstranten, den Aufmarsch schon am Lausitzer Platz und nicht erst in Neukölln zu beenden. Sie ging damit auch bewusst das Risiko ein, dass das Demonstrationsende nahe am Myfest dann von Gewalttätern ausgenutzt werden könnte. Aber die Polizei hatte die Sache im Griff, reagierte auf die Stein- und Flaschenwürfe sofort und auch mit der gebotenen Härte. Insgesamt 42 Randalierer wurden festgenommen – und erhalten nun hoffentlich wegen schweren Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung und Widerstands ihre angemessene Strafe.

Für Berlin ist die Bilanz dieses 1. Mai eine gute Nachricht. Wenn im nächsten oder übernächsten Jahr kein Polizist mehr verletzt wird, wenn Feste und Demonstrationen friedlich verlaufen, das ist dann die bessere Nachricht. Es kann sie, so ist nach diesem Sonntag klar, wieder geben in Berlin. Seite 10

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