US-Vorwahl

Trump hat das „Momentum“, Clinton das Vertrauen der Wähler

Donald Trump und Hillary Clinton liegen nach den letzten Vorwahlen in fünf Staaten weit vorne. Davon profitiert aber vor allem Clinton.

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Washington.  Allen mathematischen Was-wäre-wenns zum Trotz ist seit Dienstag klar, dass sich bei den Republikanern aller Voraussicht nach der New Yorker Bau-Milliardär als Bewerber um das höchste Amt im Staate durchsetzen wird. Donald Trump hat das berühmte „Momentum“ auf seiner Seite.

Seine Bilanz bei den Vorwahlen in den Bundesstaaten Maryland, Connecticut, Delaware, Rhode Island und Pennsylvania kommt einem Erdrutsch gleich. Trump, obwohl von weiten Teilen seiner Partei verachtet und offen angefeindet, hat nicht nur einfach gewonnen. Er hat seine aus dem Establishment stammenden Widersacher Ted Cruz und John Kasich deklassiert.

Gelingt es dem Zweitplatzierten Cruz demnächst im ländlichen Indiana nicht, Trumps Siegeszug abzubremsen, geht der populistische Geschäftsmann mit dem beruhigenden Polster von 1237 Delegiertenstimmen in den Parteitag Ende Juli in Cleveland. Alle Verrenkungen um eine Kampfabstimmung in letzter Minute wären dann Makulatur.

Sanders weit abgeschlagen

Auf Seiten der Demokraten ist der früheren First Lady die Nominierung kaum mehr zu nehmen. Bis auf den Schönheitsfehler Rhode Island geht die ehemalige Außenministerin makellos aus den jüngsten Vorentscheidungen hervor.

Clinton kann sich erlauben, bei den restlichen Vorwahlen, die am 7. Juni in Kalifornien enden, nur rund 20 Prozent der Stimmen einzusammeln. Trotzdem reichte es, um die erforderlichen 2383 Delegierten auf sich zu verpflichten, die es zur Nominierung braucht.

Sanders dagegen müsste knapp 80 Prozent gewinnen – illusorisch. Dennoch will der 74-Jährige bis zur demokratischen Krönungsmesse in Philadelphia in drei Monaten weiter im Rennen bleiben. Sanders wird sich aber versagen, was bei den Republikanern seit Monaten ortsübliches Verhalten ist: Tiefschläge und persönliche Attacken auf den Gegner in den eigenen Reihen.

Das ermöglichst Clinton, ihre strategische Kommunikation schrittweise auf Donald Trump auszurichten. Der im Stile eines Rattenfängers gegen die Globalisierung agitierende Geschäftsmann, der seit Monaten mit Extremforderungen gegen gesellschaftliche Minderheiten das Land spaltet, macht es ihr leicht, sich als Kandidatin der Vernunft und des Augenmaßes zu präsentieren.

Bestrafen die Wähler Trumps Sexismus?

In der zahlenmäßig seit Jahren wachsenden Gruppe der Wähler, die sich als unabhängig bezeichnen, hat Clinton bereits einen großen Vertrauensvorsprung. Mit sexistischen Äußerungen hat Trump ihn gestern noch vergrößert. Clinton würde nicht mehr als fünf Prozent bekommen, wenn sie ein Mann wäre, sagte Trump in der Stunde seines Triumphes. Er nannte seine designierte Herausforderin, die anerkanntermaßen eine der erfahrensten Politikerinnnen weltweit ist, ein „Desaster“.

Im November könnte der selbst ernannte „Frauenversteher“ dafür nicht nur von weiblichen Wählern die Quittung bekommen. Verdientermaßen.