Berlin –

Umfrage: Immer mehr Grundschüler haben Gesundheitsprobleme

Lehrer leiden unter verhaltensauffälligen Kindern. DAK startet Präventionsprogramm – auch in Berlin

Berlin. Immer mehr Schüler haben Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren. Viele sind verhaltensauffällig, haben motorische Defizite, psychosomatische Probleme oder bleiben in ihrer Sprachentwicklung zurück. Dies ist das Ergebnis einer Befragung von 500 Lehrern in Deutschland über die gesundheitliche Entwicklung ihrer Schützlinge von der ersten bis zur sechsten Klasse. Erfasst wurden die Eindrücke zu den Veränderungen in den vergangenen zehn Jahren, die vom Forsa-Institut im Auftrag der Krankenkasse DAK-Gesundheit erhoben wurde. Auch die Zahl der übergewichtigen Schüler hat nach Ansicht von 60 Prozent der Befragten zugenommen, 14 Prozent meinen sogar „stark“.

Insgesamt 70 Prozent aller Lehrer stellen mit Blick auf die vergangenen zehn Jahre fest, dass die Gesundheitsprobleme ihrer Schüler gestiegen sind. Jeder fünfte Lehrer ist sogar überzeugt, dass diese „stark“ zugenommen haben. Jeder zweite sieht wiederum nur eine „leichte Zunahme“, während 27 Prozent keine Veränderung wahrnehmen. Allerdings meinen gleichzeitig nur zwei Prozent, dass die Gesundheitsprobleme ihrer Schüler zurückgegangen seien. Erfahrene Lehrer, die älter als 50 Jahre sind, bewerten die Situation sogar noch pessimistischer.

Als Grund für die gesundheitliche Verschlechterung diagnostizieren die Lehrkräfte die Stressbelastung der Kinder. Die überwiegende Mehrheit von 91 Prozent der Befragten sieht die Hauptursache für Stress in der allgemeinen Reizüberflutung durch Medien. Weitere 83 Prozent halten den Erwartungsdruck seitens der Eltern für wesentlich. 59 Prozent sehen einen Grund darin, dass die Kinder zu wenig selbstbestimmte Freizeit haben, 45 Prozent meinen, dass die Kinder durch zu viele außerschulische Aktivitäten belastet seien. Nur gut jeder dritte Lehrer sieht die Leistungsanforderungen in der Schule als Grund für den höheren Stress. Zugleich meint jeder zweite Lehrer, dass Mobbing und Gewalt in der Schule insgesamt zugenommen haben. Nur sieben Prozent glauben, dass diese Faktoren geringer geworden seien.

Doch nicht nur bei den Kindern wirken sich Schule und Stress auf die Gesundheit aus. Auch Lehrer fühlen sich zunehmend belastet und fürchten deshalb, früher als geplant ihren Job aufgeben zu müssen. Ein Viertel macht sich große Sorgen, dass sie den Anforderungen ihres Berufs einmal nicht mehr gewachsen sein könnten. Am stärksten fühlen sich Lehrer – mehr als 60 Prozent – durch den Umgang mit verhaltensauffälligen Schülern und durch Lärm belastet. Hinzu kommen Konflikte mit Eltern, die hohe Zahl an Unterrichtsstunden und fehlende Erholungspausen im Schulalltag.

Grundsätzlich ist die große Mehrheit von 87 Prozent der Lehrer mit ihrem Beruf aber zufrieden, 40 Prozent geben sogar an, „sehr zufrieden“ zu sein. Hier gibt es zwischen Männern und Frauen keinen Unterschied. Allerdings schwindet die Zufriedenheit mit zunehmendem Alter. Die meisten Lehrer – 77 Prozent – bezeichnen ihren persönlichen Gesundheitszustand als gut. Drei Viertel von ihnen haben sich im vergangenen Jahr mindestens ein Mal zum Job geschleppt, obwohl sie sich aufgrund ihres Zustandes besser krankgemeldet hätten.