Sicherheitsdienste

BND-Chef Gerhard Schindler wird vorzeitig abgelöst

Der Bundesnachrichtendienst verliert offenbar seinen Chef Gerhard Schindler. Auch ein Nachfolger soll bereits feststehen.

Gerhard Schindler, bald nicht mehr Herr im Lagezentrum im Leitungsgebäude des BND in Berlin?

Gerhard Schindler, bald nicht mehr Herr im Lagezentrum im Leitungsgebäude des BND in Berlin?

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Berlin.  BND- Präsident Gerhard Schindler soll abgelöst werden. Sein Nachfolger soll der Verwaltungsbeamte Bruno Kahl (53) werden. Zuerst hatten „Süddeutsche Zeitung“, WDR und NDR darüber berichtet. Kahl gilt als Vertrauter von Finanzminister Wolfgang Schäuble, der auch schon das Amt des Innenministers bekleidet hatte.

Schindler war vor etwa einem Jahr unter Druck geraten, als publik geworden war, dass der BND in seiner Abhörstation in Bad Aibling Suchbegriffe des US-Nachrichtendienstes NSA eingesetzt hatte, mit denen europäische Verbündete ausspioniert worden waren. Zudem hat der NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestages gezeigt, dass einige Referate im BND ein Eigenleben geführt haben sollen. Es sei zu Mängeln bei Kontrolle und Aufsicht gekommen. Schindler stand seit 2012 an der Spitze der Behörde mit rund 6500 Mitarbeitern.

Nach den langen Ermittlungen im Untersuchungsausschuss stehen dem Dienst tiefgreifende Reformen bevor. Zudem ist der wegen mehrerer Pannen jahrelang verzögerte Umzug der Zentrale von Pullach bei München in die Hauptstadt ebenfalls noch zu bewältigen.

Nachfolger wird ein Vertrauter von Schäuble

Schindlers designierter 53 Jahre alter Nachfolger Kahl war von 2005 an Leiter des Ministerbüros und Sprecher des damaligen Bundesinnenministers Schäuble und damit einer der führenden Köpfe im Innenressort. Von 2006 bis 2009 war der promovierte Jurist Leiter des Leitungsstabes im Innenministerium. Er gehörte damit zum engsten Führungszirkel um Schäuble.

Der heutige Finanzminister hatte sich in der Diskussion über die Zukunft des BND vor wenigen Wochen persönlich an Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gewandt. Angesichts der Bedrohung durch den islamistischen Terrorismus hatte er vor einer Schwächung des Geheimdienstes in Zuge von dessen Affären gewarnt. Dennoch kommt die Veränderung an der BND-Spitze überraschend. (dpa/rtr)