Berlin –

Verstrahltes Wild in Deutschland kostet den Staat Millionen

Berlin.  Auch 30 Jahre nach der Atomkatastrophe in Tschernobyl sind die Folgen in Deutschland noch spürbar. Augenfälligstes Beispiel: Wildfleisch in Süddeutschland ist zum Teil noch immer mit radioaktivem Cäsium-137 kontaminiert und damit ungenießbar – Tausende Tonnen wurden bisher aufwendig entsorgt. Allein in den vergangenen zehn Jahren hat der Staat nach einer aktuellen Aufstellung der Bundesregierung knapp fünf Millionen Euro als Entschädigung an Jäger auszahlen müssen, davon allein eine Million Euro 2015.

Es geht vor allem um Wildschweine, die auf Nahrungssuche die Erde aufwühlen. Denn Waldhumus gibt wesentlich mehr Cäsium-137 ab als etwa tonhaltige Äcker und Böden – weshalb das Problem bei Getreide, Obst und Gemüse nicht mehr besteht. Besonders betroffen von der radioaktiven Wolke waren damals Südbayern und der Bayerische Wald. Dort werden nach Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz noch heute Werte von bis zu mehreren tausend Becquerel pro Kilogramm Wild und einzelnen Speisepilzen gemessen – ab einer Grenze von 600 Becquerel dürfen Lebensmittel nicht mehr in den Handel gebracht werden.

Zwischen 1987 bis 1995 zahlte der Bund auch rund 200 Millionen Euro an Landwirte in Deutschland als Entschädigung für die Vernichtung von verseuchter Milch, Gemüse und Futtermitteln.

Deutschland zahlt 120 Millionen Euro für eine neue Schutzhülle

In Weißrussland und in der Ukraine gelten inzwischen strengere Grenzwerte als in der EU. Lebensmittel aus der Ukraine dürfen deshalb überall in der EU importiert und verkauft werden. Beträchtliche Kosten übernimmt Deutschland für die Schutzmaßnahmen um den zerstörten Reaktorblock in Tschernobyl. Knapp 100 Millionen Euro hat die Bundesregierung bislang in den internationalen Fonds gezahlt, aus dem eine neue Schutzhülle finanziert wird; sie soll spätestens 2017 über den bisherigen, brüchigen „Sarkophag“ geschoben werden, der bislang die Freisetzung radioaktiver Stoffe aus der Ruine verhindern soll. Weitere 19 Millionen werden jetzt aus Deutschland noch nachgeschossen.

An einem weiteren internationalen Fonds, aus dem etwa ein neues Brennelemente-Lager in Tschernobyl bezahlt wird, ist Deutschland noch einmal mit 26 Millionen Euro beteiligt. Und das ist, da sind sich die Experten in Berlin einig, noch nicht das Ende gewesen.