Hauptstadt-Flughafen

Thilo Sarrazin zum BER: Klaus Wowereit fehlte Expertise

Thilo Sarrazin verfolgt die Entwicklungen beziehungsweise den Stillstand am Flughafen BER. Er nennt auch die Schuldigen für Fehler.

Die Eröffnung des Flughafens BER ist nicht abzusehen.

Die Eröffnung des Flughafens BER ist nicht abzusehen.

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

Berlin.  Der ehemalige Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin macht sich auch nach seiner Amtszeit in der Verwaltung der Hauptstadt Gedanken über die Großprojekte in Berlin. In seinem Buch und im Gespräch mit unserer Redaktion findet er deutliche Worte.

Sie schreiben über das politische Versagen bei Großprojekten. Konkret nennen Sie Ingolf Deubel, Eberhard Diepgen und Klaus Wowereit.

Thilo Sarrazin: Die Namen dieser drei verbinden sich jeweils mit einer spektakulären Fehlentwicklung eines staatlichen Unternehmens, nämlich dem Nürburgring, der Berliner Bankgesellschaft und dem Neubau des Berliner Flughafens. Ich habe diese Beispiele ausgewählt, weil ich sie aus eigenem Erleben kenne: Im Aufsichtsrat des Nürburgrings war ich der Vorgänger von Ingolf Deubel. In Berlin lief die Sanierung der Bankgesellschaft unter meiner Verantwortung als Finanzsenator. Für den Bund war ich in den Achtzigerjahren in mehreren Aufsichtsräten von Flughäfen, darunter auch die Berliner Flughafengesellschaft.

Konnten Sie sich als Berliner Finanzsenator nicht beim BER einbringen?

Soweit ich zuständig war, habe ich mich eingebracht, wie bei der Finanzierung des Neubaus. Aber in die Entscheidungsorgane „Geschäftsführung“ und „Aufsichtsrat“ konnte ich als der für Beteiligungen zuständige Finanzsenator nicht von außen eingreifen. Soweit Klaus Wowereit mich um Rat fragte, habe ich den gegeben.

Sie kritisieren Klaus Wowereit als Aufsichtsratsvorsitzenden des BER.

Politiker können nicht überall Experten sei. Wo sie regieren, müssen sie sicherstellen, dass die Sachkunde der Experten in ihre Entscheidungen einfließt, oder sie müssen den Experten selbst die Entscheidung überlassen. Wenn man als Politiker im Aufsichtsrat eines staatlichen Unternehmens ist oder diesen gar leitet, muss man das Management klug auswählen und sicherstellen, dass es professionell arbeiten kann. Das Verwalten einer solchen Schnittstelle zwischen Politik und Management funktioniert nur, wenn der Politiker selbst eine gewisse Expertise hat oder sich beraten lässt. Das ist Klaus Wowereit, den ich als meinen Chef in vieler Hinsicht schätzen gelernt habe, als Aufsichtsratsvorsitzender des Berliner Flughafens ziemlich misslungen. Tragisch finde ich, dass dies seine sonstigen großen Leistungen als Regierender Bürgermeister überschattet. (dzi)