Wutrede

Thüringens Ministerpräsident über Antifa: „Es kotzt mich an“

Thüringens Ministerpräsident wollte eigentlich nur zu einer Preisverleihung, als er aufgehalten wird. Ein Video zeigt seine Reaktion.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow ist bei einer Begegnung mit Antifa-Vertretern der Kragen geplatz. (Archivfoto)

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow ist bei einer Begegnung mit Antifa-Vertretern der Kragen geplatz. (Archivfoto)

Foto: arifoto UG / dpa

Erfurt/Halle.  Ein Internetvideo zeigt, wie Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) bei einem Auftritt in Halle die Nerven verloren hat. Er ist verbal auf Antifa-Demonstranten losgegangen.

In dem YouTube-Video ist zu sehen, wie Ramelow deutliche Worte findet: „Es kotzt mich an, wie arrogant ihr seid“, sagt er zu den linken Autonomen. „Das ist so eine intolerante Aktion!“ Als der Regierungschef bemerkte, dass er mit einem Handy aufgenommen wurde, griff er danach. An dieser Stelle endet der Film abrupt.

Aufgenommen wurde die Szene am Samstag im Stadthaus von Halle. In Sachsen-Anhalt wurde der mitteldeutsche Inklusionspreis „Mosaik“ vergeben. Dieser zeichnet Menschen aus, die sich für die Einbeziehung Behinderter ins gesellschaftliche Leben einsetzen. Ramelow war gerade auf dem Weg zu der Verleihung als er offensichtlich von den Aktivisten aufgehalten wurde.

„Einige haben das Gastrecht der Veranstalter missbraucht, um den Ministerpräsident in inakzeptabler Weise zu belästigen“, erklärte Ramelows Sprecher am Sonntag. „Das hatte schon Überfall-Charakter.“ Zuvor hatte Ramelow bei Twitter einen geplanten Antifa-Aufmarsch vor dem Privathaus des AfD-Landeschefs Björn Höcke scharf verurteilt. Ramelow hatte die Wahl des Demonstrationsortes als „Nazi-Methode“ bezeichnet und dafür heftige Kritik in sozialen Netzwerken geerntet. Privatadressen von Politikern seien bei Demonstrationen tabu, wiederholte er in einem Twitter-Beitrag am 11. April.

Auch dieser Beitrag war wiederum diskussionswürdig. Zwar machte Ramelow deutlich, dass er die Ortswahl für falsch hielt, hängte dem Tweet aber gleichzeitig ein Satellitenbild mit dem eingezeichneten Standort des entsprechenden Hauses an.

Nicht der erste kritische Tweet

Die Beiträge von Bodo Ramelow in den sozialen Netzwerken sorgen nach Ansicht von Beobachtern immer wieder für Diskussionen. Die „Thüringer Allgemeine“ schreibt über Ramelows Diskussionsfreude: „An den Abenden, nach vollbrachtem Regierungstagwerk, gönnte sich der Regierungschef auf Twitter oder Facebook einige Streitereien...“

Neben Streit gibt es für die Kommentare des Ministerpräsidenten aber auch immer wieder Zustimmung. So stößt Ramelows jüngster Auftritt in Halle im Netz durchaus auf Verständnis. Kritiker werfen ihm allerdings vor, Kraftausdrücke seien unpassend für das Amt. (dpa/ac)