Politik

Wie sich die Arbeitswelt durch die Digitalisierung verändert

Jobs 4.0: Firmen, Beschäftigte, Ausbilder und Politik müssen sich umstellen

Welche Konsequenzen hat die Digitalisierung für die arbeitstätigen Menschen und insbesondere deren Qualifizierung? Werden durch moderne Algorithmen und Onlineplattformen Arbeitsplätze abgebaut? Oder entstehen mehr neue Jobs mit anderen Voraussetzungen als die, die abgebaut werden?

Leicht nachzuvollziehen ist es, dass die stark wachsende Zahl an Ausgründungen in Berlin viele zusätzliche Arbeitsplätze schafft. Eine Umfrage unter mehr als 800 aus den Berliner Hochschulen heraus gegründeten Unternehmen aus dem Jahr 2013 ergab, dass diese rund 17.000 Mitarbeiter beschäftigten und einen Jahresumsatz von etwa 1,7 Milliarden Euro hatten. Inzwischen dürfte die Zahl noch um einiges gewachsen sein. Doch bieten gerade ausgegründete Unternehmen einen sicheren Arbeitsplatz? Im Gegensatz zu früher wird man sich weniger darauf verlassen können, dass man bis zur Rente bei einem Arbeitgeber beschäftigt bleiben wird.

Die Ausgründungen schaffen nicht nur Eigenständiges und Neues, sie haben auch das Potenzial, etablierte Unternehmen und Dienstleister mit ihren Geschäftsmodellen zu gefährden. Als Beispiel muss ich an das Taxigewerbe denken, dem ich noch vor einigen Jahren eine absolut sichere Zukunft vorhergesagt hätte. Menschen wollen immer von A nach B, wo es gerade keine U-Bahn oder keinen Bus gibt, und haben nicht immer ein eigenes Verkehrsmittel zur Verfügung. Und plötzlich tauchen junge Unternehmen wie das amerikanische Uber oder das französische BlaBlaCar weltweit als Mitfahrerzentralen auf, die dem Taxi und der Bahn ernste Konkurrenz machen.

Wird man in Zukunft ohne Erfahrung und Kompetenzen mit Webseiten und Plattformen noch Aussicht auf einen Arbeitsplatz haben? Viele der sich aus den Start-ups entwickelnden Unternehmen bauen auf digitale Kompetenz ihrer Angestellten. Zalando, inzwischen der größte Onlineverkäufer von Mode in Europa mit gegenwärtig etwa 10.000 Arbeitsplätzen, erwartet in fünf bis sechs Jahren einen Umsatz von mehr als zehn Milliarden Euro und ist andauernd auf der Suche nach neuen Mitarbeitern. Diese sind aber vor allem Softwareentwickler und in geringerem Maße Modedesigner. Auf der Cebit in Hannover hat Zalando ein digitalisiertes T-Shirt vorgestellt, das man sich virtuell an der eigenen Person ansehen kann. Ausprobieren im Laden wird ersetzt durch virtuelles Anziehen zu Hause: ein „Steht es mir?“ oder „Passt es?“ vor dem Onlinebestellen.

Anhand dieser Beispiele kann man von zahlreichen neuen Arbeitsplätzen in der digitalen Zukunft ausgehen, aber die Aufgabenstellungen werden sich ändern. Daraus folgt zwingend, dass sich die Ausbildung der jungen Menschen ebenfalls verändern muss. Berufe der so bewährten dualen Ausbildung sollten darauf eingestellt werden. Die Senatorin für Arbeit, Dilek Kolat, setzt sich zu Recht dafür ein, dass in Zukunft die Ausbildung auch Pakete mit dem Inhalt Digitalisierung enthält. Nur so werden die jungen Menschen auf lebenslanges Lernen, den Umgang mit Plattformen, Onlinehandel und einen wahrscheinlich häufigeren Wechsel des Arbeitgebers gut vorbereitet.

Ähnliches gilt für öffentliche Arbeitgeber. Der Wunsch vieler Menschen nach einer effizienteren Bearbeitung bürokratischer Vorgänge wird nicht abebben. Bedienen kann man ihn zum Beispiel mit elektronischen Bürgerakten, deren Handhabung natürlich anders ist als die von Papierakten. Abgesehen von wichtigen Fragen des Schutzes solcher Akten vor einem unbefugten Zugriff, ist das Arbeiten damit anders und will gelernt sein.

Die Digitalisierung wird die Arbeitswelt in ihren verschiedenen Ausprägungen deutlich verändern, und es ist essenziell, dass sich die Gesellschaft mit diesen Fragen und den Konsequenzen für Arbeitnehmer beschäftigt. Das Bundesministerium für Arbeit wird der TU Berlin im Rahmen ihrer Digitalisierungsoffensive eine Professur zum Thema Arbeit 4.0 finanzieren, die sich diesem wichtigen Thema widmet.