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Flüchtlinge kapern mit Werbetrick auf Youtube Pegida-Videos

| Lesedauer: 3 Minuten
Lars Wienand
Vor einem Video von Lutz Bachmann erklärt Arif aus Syrien, dass er noch nicht im Gefängnis war, Bachmann aber schon. Eine Initiative hat die Videos als Werbung vor Hetzbeiträgen gebucht.

Vor einem Video von Lutz Bachmann erklärt Arif aus Syrien, dass er noch nicht im Gefängnis war, Bachmann aber schon. Eine Initiative hat die Videos als Werbung vor Hetzbeiträgen gebucht.

Foto: Screenshot

Wer Pegida-Parolen sucht, bekommt die Botschaft von Flüchtlingen vorgesetzt: Eine Initiative kapert per Werbung rassistische Inhalte.

Berlin.  Guerilla-Marketing gegen Hetzparolen: Im Vorfeld von vielen ausländerfeindlichen Videos auf Youtube sind aktuell Botschaften von Flüchtlingen gegen Hass zu sehen. Die Initiative „Flüchtlinge Willkommen“ aus Berlin will so ein Zeichen gegen Hetzvideos im Netz setzen. Sie hat ihre Clips als Werbung zielgerichtet vor entsprechenden Videos gebucht. Motto: Rassismus suchen, die Wahrheit finden.

In einem Spot etwa, der vor einem Hetzvideo von Pegida-Chef Lutz Bachmann geschaltet ist, erzählt Arif aus Syrien, dass er noch nicht im Gefängnis war, um dann das Vorstrafenregister von Bachmann aufzuzählen. „Wir sind beide Flüchtlinge“, sagt Arif. „Ich bin aus Syrien vor dem Krieg geflohen, Lutz Bachmann nach Südafrika vor den Behörden.“ Das anschließende Video des Pegida-Gründers gegen angeblich kriminelle Flüchtlinge erscheint so in einem ganz anderen Licht. Die meisten Videos sind Englisch mit deutschen Untertiteln, Firas aus Syrien spricht die Zuschauer in deutscher Sprache an:

Videos sind mit insgesamt neun Flüchtlingen produziert. Die Hoffnung der Macher: „Die Aktion regt zum Nachdenken an, indem sie zeigt, gegen wen die Hetze sich wirklich richtet.“ „Mit der gezielten Platzierung der Spots wollen wir die Konsumenten der rechtsradikalen Videos am besten sogar umstimmen“, sagt Mareike Geiling. Sie ist auch Initiatorin von „Flüchtlinge Willkommen“. Dahinter steht der Verein „Mensch Mensch Mensch“, der mit der Vermittlungen von Zimmern für Flüchtlinge bekannt geworden war.

Zum Budget der Kampagne macht die Initiative keine Angaben. Auch bei der Google-Suche hat „Flüchtlinge Willkommen“ Werbung geschaltet: Als erster Treffer in der Suche nach „Asylanten raus“ taucht ein Video mit dem Titel „Was wollen die Asylanten?“ auf. Wer darauf klickt, erwartet vermutlich anderen Inhalt.

Ausführliches Video erklärt Kampagne

Die Videos enden mit der Aufforderung, auf einen Link im Film zu klicken „Vorurteile überspringen“. Er leitet weiter zu einer Homepage der Initiative, auf der sich auch ein etwas längerer Film mit der Vorstellung der Ziele findet. Die Glaubwürdigkeit leidet etwas darunter, dass der Film inhaltlich nicht auf der Höhe der Zeit ist: Er beginnt mit Bildern einer Flüchtlingskolonne und den Worten: „Immer mehr Menschen flüchten in die Bundesrepublik.“ Seit dem Abkommen der EU mit der Türkei ist die Zahl der nach Deutschland kommenden Menschen aber stark zurückgegangen.

Nachdem in dem Film die Flüchtlinge vorgestellt sind, endet er endet mit der Aufforderung „Geben wir diesen Menschen die Möglichkeit, sich ein neues Leben aufzubauen und heißen sie hier herzlich willkommen.“

Während „Flüchtlinge Willkommen“ erklärt, die Werbung lasse sich nicht wegklicken, war das bei einem Versuch unserer Redaktion nach wenigen Sekunden möglich.

Zu Beginn der Aktion am Dienstag waren die Clips vor rund 100 Hassvideos geschaltet. Laufend sollen neue dazukommen. Die Verknüpfung funktioniert durch die Kombination mit bestimmten Schlüsselbegriffen.

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