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In Türkei festgehaltener ARD-Korrespondent wieder in Kairo

| Lesedauer: 3 Minuten
SWR-Journalist Volker Schwenck wurde am Dienstag an der Einreise in die Türkei gehindert.

SWR-Journalist Volker Schwenck wurde am Dienstag an der Einreise in die Türkei gehindert.

Foto: SWR

Die Türkei hat dem SWR-Journalisten Volker Schwenck die Einreise verweigert. Der Leiter des ARD-Büros Kairo musste zurück nach Ägypten.

Istanbul/Stuttgart.  Der von der Türkei an der Einreise gehinderte ARD-Fernsehkorrespondent Volker Schwenck ist wieder zurück in der ägyptischen Hauptstadt Kairo. Das teilte der Südwestrundfunk am Dienstagabend mit. Der Leiter des ARD-Studios Kairo war am Dienstagmorgen bei seiner Einreise in die Türkei am Flughafen Istanbul von den türkischen Behörden festgesetzt und knapp zwölf Stunden festgehalten worden. Über die Gründe wurde zunächst nichts bekannt.

Das Auswärtige Amt und das Generalkonsulat hätten in ständigem Kontakt mit dem Südwestrundfunk (SWR) gestanden, teilte der Sender weiter mit. Schwenck wollte von Istanbul weiter in das türkisch-syrische Grenzgebiet reisen, um dort mit syrischen Flüchtlingen zu sprechen.

Der Journalist leitet seit mehreren Jahren das ARD-Studio in Kairo. Von dort berichtet er über den gesamten Nahen Osten, auch über Syrien. Bereits mehrfach war er in dem Bürgerkriegsland und dem Grenzgebiet zur Türkei für Dreharbeiten unterwegs. Nach Nordsyrien reisen Journalisten in der Regel über die Türkei ein. Die Türkei hat solche Reisen lange geduldet oder sogar erlaubt, wertet sie inzwischen aber als illegale Grenzübertritte. In den vergangenen Monaten ist mehreren Journalisten die Einreise in die Türkei verweigert worden. Andere wurden unter anderem wegen illegalen Grenzübertritts von Syrien ausgewiesen.

„Endstation Istanbul. Einreise in Türkei verweigert. Es sei ein Vermerk an meinem Namen. Bin Journalist. Ein Problem?“, hatte Schwenck am Dienstag gegen 5.30 Uhr im Kurznachrichtendienst Twitter geschrieben.

Merkel sieht Entwicklung „mit gewisser Sorge“

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich am Dienstag besorgt über die Einreiseverweigerung. Das Auswärtige Amt setze sich auch dafür ein, dass die Arbeitsfähigkeit des Journalisten schnell wieder hergestellt werde, sagte Merkel in Berlin. Die Bundesregierung sehe den Vorfall „mit gewisser Sorge“.

Noch deutlicher äußerte sich Bundeswirtschaftsminister Gabriel zum Fall Schwenck: „Ich finde das natürlich auch erneut einen mehr als problematischen Akt, dass er in der Türkei keine Bewegungsfreiheit hat“, sagte der Vizekanzler am Dienstag während eines Marokko-Besuchs in Rabat. „Ich hoffe sehr, dass die türkische Regierung diesen Fehler schnell korrigiert und ihn nicht etwa ausweist, sondern ihn natürlich weiterreisen lässt. Das wäre die adäquate Antwort auf diesen Vorfall.“

Aus dem Auswärtigen Amt hieß es, Mitarbeiter des deutschen Generalkonsulats seien zum Flughafen gefahren, um Kontakt mit dem Betroffenen aufzunehmen. Auch hochrangige Vertreter der Zentrale hätten direkten Kontakt zum Betroffenen.

SWR-Redakteure kritisieren türkische Regierung

Der Redakteursausschuss des Südwestrundfunks hat die Festsetzung Schwencks in einer Stellungnahme kritisiert: „Wenn die Türkei so mit ARD-Korrespondenten verfährt, zeigt dies, wie es dort um Presse- und Meinungsfreiheit bestellt ist.“

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) kritisierte „ein frag- und kritikwürdiges Verständnis von Presse- und Informationsfreiheit“ in der Türkei. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) bezeichnete das Einreiseverbot als „Schikane“. Nun räche sich „das Entgegenkommen von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Fall Böhmermann gegenüber dem türkischen Präsidenten Erdogan“.

Konkrete Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen dem Einreiseverbot für Schwenck und dem Fall Böhmermann gibt es nicht. Auch nicht nach Meinung des Türkei-Korrespondenten Thomas Bormann. „Das hat nichts mit Böhmermann zu tun“, zitiert der SWR den Reporter. „Die türkische Regierung greift in letzter Zeit immer häufiger in die Pressefreiheit ein. Offenbar schaut sie jetzt auch genauer auf ausländische Journalisten.“ (ba/dpa)

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