Flüchtlingskrise

Papst zurück aus Lesbos: „Heute war es zum Weinen“

Der Besuch bei den Flüchtlingen auf der Insel Lesbos hat Franziskus tief aufgewühlt. Von Europa fordert er eine „Politik der Aufnahme“.

Papst Franziskus zeigte auf dem Heimflug von seinem Besuch auf der Insel Lesbos am Samstag Kinderzeichnungen, die ihm Flüchtlingskinder auf der Insel zugesteckt hatten.

Papst Franziskus zeigte auf dem Heimflug von seinem Besuch auf der Insel Lesbos am Samstag Kinderzeichnungen, die ihm Flüchtlingskinder auf der Insel zugesteckt hatten.

Foto: POOL / REUTERS

Rom.  Papst Franziskus hat Europa aufgefordert, sich stärker für Flüchtlinge zu öffnen und diese besser zu integrieren. „Heute war es zum Weinen“, sagte er am Samstagabend nach Vatikanangaben auf dem Rückflug von seiner Begegnung mit Flüchtlingen auf Lesbos. Der Eindruck der Not und des Leidens der Menschen in dem Hotspot auf der griechischen Ägäis-Insel sei für ihn „zu stark“ gewesen, wiederholte er mehrfach.

Italienischen Zeitungsberichten zufolge stockte dem Pontifex mehrfach die Stimme, als er auf dem Rückflug den mitgereisten Medienvertretern von seinen Eindrücken berichtete. Er zeigte auch Zeichnungen, die Flüchtlingskinder ihm auf Lesbos geschenkt hatten. Eine stellt ein untergehendes Boot dar mit der Aufschrift „Help us“ – Hilf uns.

Papst: Flüchtlinge bereichern unsere Kultur

Franziskus äußerte zwar Verständnis für Ängste im Zusammenhang mit Flüchtlingsströmen. „Europa muss sich dringend um eine Politik der Aufnahme und Integration bemühen“, mahnte er jedoch unter Hinweis auf islamistische Terroristen, die in Europa geboren und nicht in die Gesellschaft integriert wurden. Europa habe in der Vergangenheit unterschiedliche Völker aufgenommen, die die Kultur des Kontinents bereichert hätten, betonte er. Diese Integrationsfähigkeit gelte es wiederzuentdecken.

Der Kurzbesuch des Papstes auf Lesbos und das Engagement des Kirchenoberhaupts für die Flüchtlinge hat die Griechen beeindruckt. „Der Papst hat die geschlossenen Grenzen gesprengt“, titelte eine Sonntagszeitung. Andere berichteten, Franziskus und der griechisch-orthodoxe Patriarch Bartholomaios I. hätten sich im Geist der Mitmenschlichkeit verbündet.

Tsipras: Eine Zeichen für Ökumene gesetzt

Der Besuch des Papstes habe ein Zeichen für die Ökumene gesetzt, sagte Ministerpräsident Alexis Tsipras am späten Samstagabend dem Fernsehsender ERT. „Es gibt manche europäische Länder, die ihre Mauern (gegen die Flüchtlinge) im Namen des Christentums errichten“, kritisierte Tsipras. Nicht zuletzt deshalb habe die Visite des katholischen Kirchenoberhaupts starken Symbolcharakter gehabt.

Besonders hervorgehoben wurden in den Medien die herzlichen Worte des Papstes an das griechische Volk, das trotz eigener Schwierigkeiten Herzen und Türen für Flüchtlinge geöffnet habe. Franziskus war am Samstag zu einem Kurzbesuch nach Lesbos gereist, um zusammen mit orthodoxen Würdenträgern ein Zeichen in der Flüchtlingskrise zu setzen. (epd/dpa)