Terrorismus

Verfassungsschutz warnt vor IS-Anschlägen in Deutschland

Paris, London, Brüssel – und deutsche Städte im Visier der Terrormiliz IS. Verfassungsschutz-Chef Maaßen hat das Risiko erneut betont.

Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, in Berlin: Er warnt vor dem Terror des „Islamischen Staates“.

Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, in Berlin: Er warnt vor dem Terror des „Islamischen Staates“.

Foto: Stephanie Pilick / dpa

Berlin.  Deutschland ist nach Einschätzung von Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen im Visier der radikal-islamischen IS-Miliz. „Der IS will auch Anschläge gegen Deutschland und deutsche Interessen durchführen“, sagte Maaßen der „Welt am Sonntag“. Dazu werde in der Propaganda des sogenannten Islamischen Staates aufgerufen. „Deutsche Städte werden in einem Zusammenhang mit anderen Metropolen wie Paris, London oder Brüssel genannt“, sagte Maaßen. Er halte die Sicherheitslage für sehr ernst, es lägen aber derzeit keine Erkenntnisse über konkrete Pläne für Anschläge in Deutschland vor.

„Das islamistisch-terroristische Potenzial liegt bei etwa 1100 Personen“, sagte Maaßen. Hinzu kämen 8650 Salafisten. „Die Zahl steigt praktisch täglich.“ Islamisten versuchten auch, Flüchtlinge für sich zu gewinnen. So seien bereits rund 300 Anspracheversuche gezählt worden, sagte der Präsident des Verfassungsschutzes. „Sorgen machen mir vor allem die vielen unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge. Diese Gruppe wird gezielt angeworben.“

Problem sind fehlende Pässe

Das seien aber nur die gemeldeten Fälle, die tatsächliche Zahl sei viel höher. Dass der IS den Flüchtlingsstrom nutzt, hätten die Sicherheitsbehörden von Anfang an für eine Option gehalten, sagte Maaßen. „(Wir) hielten es aber für weniger wahrscheinlich.“ Dennoch habe der IS seine Leute unter die Flüchtlinge gemischt. Ein großes Problem sei dabei, dass etwa 70 Prozent der einreisenden Flüchtlinge keine gültigen Pässe vorlegten.

Der IS sucht nach Einschätzung Maaßens nicht nur die militärische Auseinandersetzung in Syrien, sondern verübt in vielen Regionen der Welt Anschläge. „Der Begriff 'Terror' verniedlicht deshalb den IS. Wir haben es vielmehr mit einer kriegerischen Auseinandersetzung zu tun.“

„Islamischen Staat“ falsch eingeschätzt

Zudem räumte der Verfassungsschutz-Chef ein, dass sein Amt die Terrormiliz IS anfangs falsch eingeschätzt habe. So habe man es zunächst für unwahrscheinlich gehalten, dass der IS den Flüchtlingsstrom nutzen werde, um Anhänger nach Deutschland zu bringen, sagte Maaßen der Zeitung. „Wir dachten, das Risiko sei schlichtweg viel zu hoch. Mittlerweile wissen wir: Was den IS angeht, müssen wir eben auch dazulernen. Obwohl er es nicht nötig hätte, seine Leute unter die Flüchtlinge zu mischen, hat er es getan. Ich nenne das eine „show of force“ (Machtdemonstration).“

Mit Blick auf gefälschte Papiere sagte er: „Ich habe die Sorge, dass wir und unsere Partnerdienste in unseren Datenbanken zwar Informationen über gefährliche Personen gespeichert haben. Uns könnte jedoch entgehen, dass sie bei uns sind, weil sie mit falschen Identitäten einreisen.“ (rtr/dpa/les)